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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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Theils aus Mitleiden, theils um die größere Verbrei⸗ tung der Peſt zu verhindern, befahl der Biſchof außerhalb der Stadt Lazarethe und Peſthäuſer zu errichten. Die Bürger, hierin ein Mittel ſehend, ſich von der ſchrecklichen Gegenwart der Leproſen zu erlöſen, ſcheuten die großen Geldopfer nicht und in kurzer Zeit waren außerhalb Lüttich eine ziemliche Anzahl ſolcher Häuſer zum Empfang der Kranken bereit. Man hatte keine andere Veränderung an denſelben vorgenommen, als daß man die Fenſter zugemauert und hinter dem Haus einen viereckigen vffenen Platz, mit einer hohen Mauer umgeben, die Thüren ver⸗ ſtärkt und in dem Vordergiebel ein großes Loch angebracht und mit eiſernen Gittern verſehen hatte.

Alle Leproſen, die man nach dem erſten Befehle des Biſchofs auf der Straße fand, und die nicht augenblicklich mit einem der Todtſchläger nach dem Lazarethe gingen, wurden erſchoſſen. In weniger als acht Tagen waren die Peſthäuſer vollgepfropft mit Elenden, welche vom Hunger gezwungen geweſen, ſich auf den Straßen ſehen zu laſſen. Die reichen Leproſen fanden noch mit vielem Gelde Men⸗ ſchen, welche Eſſen für ſie holten und es ihnen von ferne zuwarfen.

Schrecklich, herzzerreißend war das Loos der einge⸗ ſchloſſenen Leproſen; hatte ſich einmal die Thüre des Peſt⸗ hauſes vor ihnen geöffnet, erſchloß ſie ſich nimmer wieder, als um neue Bewohner zu empfangen. Das Eſſen wurde ihnen auf der Spitze eines langen Stockes zugeſchoben; man ſah die Unglücklichen halb nackt und mit magern Händen ſich wie raſend auf die ſpärliche Nahrung werfen, jammern und weinen, daß das Herz eines geſunden Men⸗ ſchen vor Schmerz und Schrecken beinahe zerſchmolz. O ſolch' ein Peſthaus war ein ecklich Grab von Lebenden be⸗ wohnt! Was mußten ſie leiden, die Verurtheilten, wenn einer ihrer Schickſalsgenoſſen den Geiſt aufgab und ſie ver⸗ pflichtet waren, mit eigener Hand in dem viereckigen Hofe die

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