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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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59 mir die ſüße Aleidis zur Schweſter! Ich habe acht Jahre

meines Lebens auf dem Laternenhofe zugebracht, und ich

kenne die Geſchichte jener ſchrecklichen Nacht.

„Der Schlag, den Du Deinem Bruder beibrachteſt, haſt ihn nicht getödtet. Nichts hat er davon behalten, als eine tiefe Narbe, die er auf der Stirne trägt. Jetzt erſt verſtehe ich, warum Abulfaragus mich verbannte, nur um Dich zu Deinem Bruder Arnold, meinem Herrn, zu⸗ rückzubringen.“

Nun zweifelte Hugo nicht mehr an der Wahrheit von Bernhards Worten. Er warf ſich vor dem Kreuze nieder, und begann mit lauter Stimme ein Dankgebet zu Gott. Als er aufſtand, ſchwebte das Lächeln der Selig⸗ keit auf ſeinem Antlitze und er wiederholte mit unſagbarer Freude:

„Ach! ich bin kein Mörder, kein Mörder!“

Dann ſetzte er ſich abgemattet auf den Rand des Bettes, während die Thränen des Glückes über ſeine Wan⸗ gen ſtrömten.

Eine Zeitlang hatte Bernhard ſein Antlitz mit der Hand bedeckt, wie Jemand, der in tiefes Nachdenken ver⸗ ſunken iſt. Nach einigen Augenblicken näherte er ſich Hugo und ſprach:

„Herr, der gnädige Gott hat mich für einige Zeit unglücklich gemacht, um mich als Werkzeug ſeiner Be⸗ ſchlüſſe zu benützen; meine Sache iſt beinahe vollbracht. — Run muß ich nach Abulfaragus' Prophezeiung eiligſt nach dem Laternenhofe zurück, um das Leiden Deines Bruders Arnold in Seligkeit zu wandeln.“

Ein trauriges Gefühl verdüſterte Hugos Geſicht.

„Mein Bruder!“ ſagte er nachdenklich,„mein Bru⸗ der! ſollte ich vor ihm erſcheinen dürfen? Wird er mich nicht mit Vorwürfen überſchütten? Und doch, o Gott, ich muß ihn ſehen, ihn um Vergebung bitten, einen Bru⸗ derkuß auf meiner Wange fühlen, meine Schweſter Aleidis umarmen— und dann, dann ſterben, ſterben unter dem