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Der Wehrwolf öffnete die matten Augen und betrachtete mit traurigem Lächeln den jungen Hirten, der ihn aufzu⸗ heben ſuchte.
„Mein Sohn,“ ſprach er,„ich vergebe Dir Deinen Wortbruch. Du haſt eines der Geheimniſſe meines bittern Lebens entdeckt. Heute werde ich noch nicht ſterben, aber ich hoffe, Gott werde mir bald ein Grab zum Ruheplatz ſchenken.“
Bei dieſen Worten richtete er ſich mit Gewalt auf, zog ſein härenes Kleid an, und ſetzte ſich auf den Rand des Bettes; er war ungemein blaß, hatte blaue Lippen und glanzloſe Augen,
Länger konnte Bernhard dieß Leiden nicht mit an⸗ ehen.
„O Meiſter!“ rief er mit bewegter Stimme,„warum peinigſt Du Dich ſo? Das kann Gott nicht wollen!
Haſt Du eine Sünde gethan, ſie kann nicht ſo groß ſein
als die Strafe, die Du Dir auferlegſt!“
Ueber das Antlitz des Wehrwolfs zog ſich ein ſpöt⸗ tiſches Lächeln.
„Nicht ſo groß!“ ſprach er.„Höre, Jüngling, da mein Tod mir nahe bevorſteht, und Du doch nicht im Stande biſt, Deinen Wohlthäter zu verrathen; ſo höre, ich werde Dir ſagen, worin mein Vergehen beſteht.— Du haſt in dem Buche, das ich Dir gab, geleſen, wie Kain ſeinen Bruder Abel ermordete und wie Gott ihn in ſeinen Nachkommen verfluchte? Nun, mein Sohn, der Wehrwolf hat auch ſeinen Bruder ermordet und Gott hat ihn auch verflucht bis in ſeinen Tod. Siehſt Du dort das Schwert?
Damit zerſpaltete ich das Haupt meines Bruders; da auf
dieſem Koller klebt ſein unſchuldig Blut! Die Flecken ſind das Blut meines Bruders!“
Eine lange Stille folgte dieſen Worten. Bald aber richtete der Wehrwolf ſeine Blicke wieder auf den verwun⸗ derten Bernhard und fuhr in unterbrochener Rede fort:
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