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tiefes Gefühl von Liebe und Dankbarkeit im Herzen Bern⸗ hards Wurzel gefaßt. Schon vft hatte er Thränen bei dem Gedanken an des Wehrwolfs Leiden vergoſſen. Dieß dankbare Gefühl des Mitleidens nahm aber noch zu, als der Wehrwolf, nach dem erſten Jahre mehr und mehr abzumagern begann und dem Grabe zuzuwanken ſchien. Bernhard bemerkte endlich, daß der Wehrwolf nur mit Mühe noch aus der Hütte zu dem Baum kommen konnte, daß ſeine Augen ihren Glanz verloren und daß ſeine Stimme dumpf und beinahe unverſtändlich wurde.
Einſt als der Wehrwolf ihm etwas in dem großen Buche erklären wollte, verſagte ihm mitten in der Rede die Stimme den Dienſt und endigte in einen Seufzer, der bewies, daß ſeine Bruſt keine Kraft mehr hatte, ſolch' langes Sprechen zu ertragen. Das Gefühl Bernhards war ſtärker als ſein Wille; er brach in Thränen aus und rief unter heftigem Schluchzen:
„O Herr Du biſt krank, und thuſt nichts, um zu ge⸗ neſen. Du willſt ſterben!“
Statt aller Antwort nahm der Wehrwolf das Buch, wandte ſich langſam nach ſeiner Hütte und ſagte in trau⸗ rigem Tone:
„Morgen, mein Sohn.“
Bernhard ſah ihn fortwanken. Nachdem er einige Zeit geweint, kehrte er voll Schmerz und Angſt nach der Heide zurück. Den ganzen Tag dachte er an die Krank⸗ heit ſeines Wohlthäters und weinte ſtille Thränen über ſein beklagenswerthes Loos.
Am Abend trieb er ſeine Heerde heimwärts und zählte die Schafe in Gegenwart des Pächters, während ſie in den Stall liefen.
Es fehlte ein Widder und vier Hämmel.
Nun brach die lang verhaltene Wuth des Pächters los; er verwies Bernhard ſeine Nachläſſigkeit und überlud ihn mit Scheltworten. Dann ließ er ihn ſeine Sachen


