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entgegen, wie einer theuren Freundin. Oft aber auch überzog eine finſtere Wolke ſein Antlitz und er ſchlug ſich mit der Hand vor die Stirne:— dann war ihm ſein Gedächtniß untreu und weigerte ſich, ihm den Namen eines oder des andern Buchſtaben zu ſagen.
So brachte Bernhard den erſten Tag ſeiner Lehrzeit zu und ſo verliefen auch die Folgenden.
Nicht immer konnte er die Heerde verlaſſen, um in ven Wald zu gehen, denn oft mußte er ſie ferne von da weiden. Nicht ſelten vergingen fünf bis ſechs Tage, ehe er den Wehrwolf beſuchen konnte; aber dann lernte er mit veſto mehr Eifer in den⸗ kleinen Buch, das er immer auf ſeiner bloßen Bruſt trug.
Seit Bernhard die Bekanntſchaft des Wehrwolfs ge⸗ macht hatte, liebte ihn ver Pächter nicht mehr, deſſen Schafhirte er war. Dieſe Abnahme der Zuneigung hatte ihren Grund in Bernhards Nachläßigkeit. Statt die Schafe an die beſten Weideplätze zu führen, war er bei⸗ nahe immer in der Nähe des Waldes zu finden, ob für die Schafe etwas da zu freſſen war oder nicht, und oft hatten die Vorübergehenden ſich vergeblich nach dem Hir⸗ ten umgeſehen. Hierüber wurde Bernhard faſt täglich ge⸗ ſcholten; aber beſſerte er ſich auch, ſo geſchah es nur, um nach wenigen Tagen wieder auf die alte Weiſe zu leben.
Man darf ſich darüber nicht wundern, daß Bernhard in kurzer Zeit große Fortſchritte machte und in weniger als einem Jahr ſein Buch ganz leſen konnte, ja ſelbſt die ſchönen Gebete, die darin ſtunden, auswendig gelernt hatte. Von Zeit zu Zeit ließ ihn der Wehrwolf in dem großen Buche leſen; dieß ergötzte Bernhard außerordentlich, da es eine Ueberſetzung von Plinius Naturgeſchichte war, welche die ſeltſamſten Thiere beſchrieb.
Bis dahin hatte Bernhard nie an den Wehrwolf eine Frage gerichtet und auch dieſer hatte nie das Verlangen ausgedrückt, zu wiſſen, wer ſein Lehrling ſei, ſelbſt ſeinen Namen kannte er noch nicht. Deſſenungeachtet hatte ein


