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Bernhard faßte eine der magern Hände des Wehr⸗ wolfes, ſtreichelte ſie, um ihm ſeine Zuneigung zu bewei⸗ ſen und wenn es möglich, vielleicht einigen Troſt über ſein Schickſal auszugießen. Einige Zeit blieben ſie ſprachlos ſitzen. Endlich fragte der Wehrwolf:„Wie wagteſt Du es, in dieſen überall gefürchteten Wald zu kommen, mein Sohn? Vielleicht hat Dich die Neugierde getrieben; und Du hatteſt Muth genug, ihr zu folgen!“
Die gefühlvollſte Seite von Bernhards Herz war berührt, er wollte von dem verzehrenden Wiſſensdurſt ſprechen, welcher ihn guälte. Er drückte noch leidenſchaft⸗ licher die Hand des Wehrwolfes und antwortete:
„O Meiſter, ich darf es Dir kaum ſagen. Doch Deine Güte ermuthigt mich dazu. Verwirf meine vermeſſene Bitte, wenn Du ſie nicht erhören willſt, aber werde nicht böſe auf mich!— Es brennt in meinem Buſen eine unbe⸗ greifliche Begierde, leſen zu lernen; ich kann und darf Dir nicht ſagen, was der Grund dieſer Leidenſchaft; denn ſie geht ſo weit, daß der Anblick eines Buches eine un⸗ widerſtehliche Gewalt für mich hat, meine Stirne brennen und mein Herz pochen und mich wie eine Ruthe zittern macht.“
„Ich habe es geſehen,“ murmelte der Wehrwolf.
„Nun denn, fuhr Bernhard fort,„ich ſah Dich ge⸗ ſtern im Wald hier gehen und bemerkte mil Verwunde⸗ rung, daß Du ein Buch unter dem Arme hieltſt. Dieß war genug. Von dieſem Augenblicke hatte ich keine Ruhe mehr; ich ſchlief dieſe Nacht nicht und fühlte mich von einer unwiderſtehlichen Gewalt zu Dir gezogen. Ich habe verzweifelt mit dieſer unbekannten Macht gerungen, denn ich hatte Angſt vor Dir. Aber es half nichts. Mein Schickſal war entſchieden, und ich würde das Buch ge⸗ ſucht haben, und hätte ich durch Feuersglut wandern


