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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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chem man ſo viel ſpricht. Ich dachte, es ſei ein reißend Thier, und ſieh, es ſcheint von Ferne, daß es ein Mann iſt. Was iſt denn ein Wehrwolf?“

„Weißt Du das nicht, Bernhard? Ein Wehrwolf iſt ein Menſch, der um ſchrecklicher Sünden willen von Gott verurtheilt iſt, bei Nacht in der Geſtalt eines Wol⸗ fes umherzulaufen, ohm Aufhören, ruhelos. Solche Wölfe fliehen Dörfer und gebaute Hänſer aus Furcht, man möchte die Thüren und Fenſter ihrer Zimmer ſchließen. Denn wenn man dies thut und die Stunde des Wehr⸗ wolfes käme, ſo würde er ſich den Kopf an Wänden und Käſten einrennen und gewiß noch dieſelbe Nacht ſterben müſſen.“

„Haſt Du dieſen Menſchen in Geſtalt eines Wolfes ſchon geſehen, Albrecht?“

„Ja, manchmal. Es iſt nun ſchon mehr denn zehn Jahre her, daß er dieſen Wald zum Schlupfwinkel auser⸗ koren, ſeit dieſer Zeit betritt ihn niemand, theils aus Angſt, theils aus Ehrfurcht vor der Strafe Gottes. Des Nachts irrt der Wehrwolf umher, oder ſitzt auf dem Kirchhof zwiſchen den Gräbern, da ſeufzt und heult er vann fürchterlich. Niemand hat ihn je ſprechen hören; er iſt ſtumm. Uebrigens ſcheint der Wehrwolf ſo ſanft, wie ein Lamm; wenn er an uns vorüber geht, wird er das Haupt bücken und mit niedergeſchlagenen Augen, wie ein wandelnd Bild, ſich entfernen. Niemand erinnert ſich, daß er je Menſchen oder Thier ein Unrecht zugefügt. Ja, er bot ſogar mal einer armen Frau zwei Goldſtücke an; die Frau erſchrak, lief davon und nahm das Geld vom Wehrwolf nicht an. Aber dieß beweiſt doch, daß er kein boſes Herz hat.“

Während dieſer Erklärung hatte Bernhard ſein neu⸗ gierig Auge nicht von dem Wehrwolfe abgewandt, und da dieſer mit raſchem Schritte den Hirten näher kam, konn⸗ ten ſie bald ſeine Geſtalt genauer unterſcheiden. Er ſchien ein Mann von ungemeiner Größe, und war von Kopf bis