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erblicken. Als Abulfaragus meine Thüre öffnete und mit einer Lampe eintrat, ſtand ich ſchon bereit, in mein ſchlechtes Gewand gekleidet. Ich warf noch einen traurigen Blick auf mein ſilbernes Jagdhorn und folgte meinem Führer; die Pforte ging auf und die Brücke ſenkte ſich nieder. Ins Freie gekommen, gab mir Abulfaragus ein Stück Brod und einen gebratenen Vogel. Damn ſeine Hand drückend, ſprach ich betrübt:
„Abulfaragus,“ ſagte ich,„Du weißt, Aleidis wird mein Fortgehen nicht ohne großen Schmerz vernehmen; viel⸗ leicht wird ſie trauern, um den Verluſt ihres Bruders.“
„Sei ohne Furcht, mein Sohn,“ antwortete er gütig, „ich werde Aleidis troſten und ſie verſichern, daß Du wiederkommſt— und dann, Bernhard, ich werde alle Tage mit ihr von Dir ſprechen— ich will, daß ſie Dich nie vergeſſe!“
„Thränen der Dankbarkeit entſtrömten meinen Augen, ich umarmte Abulfaragus und küßte mit Inbrunſt denſelben Mann, den ich fur den ſchrecklichſten aller Menſchen gehalten hatte. Er ſprach noch einige aufmunternde Worte mit mir und ſagte mir Lebwohl auf Wiederſehen. Ich lief eilig fort auf meinem Weg. Zu Santhoven angekommen, nahte ich mich einer Bauernwohnung und verlängte etwas Milch, um meinen Durſt zu löſchen. Nach kurzer Unterredung erfuhr ich von dem Pächter, daß ſein Schafhirte ihn ver⸗ laſſen habe, um als Waffenknecht bei einem Dienſtherrn einzutreten; ich bot mich ihm an und wurde aufgenommen. Seit zwei Jahren diene ich dieſen Leuten und bin zufrieden, weil ich weiß, daß ich Aleidis wiederſehen werde. Aber
ich möchte nicht gerne nach dem Laternenhof zurückkehren,
ohne leſen zu können; ich weiß, daß Aleidis die Geſchichten von Waffenthaten und Ritterkämpfen überaus gerne hört; ſie hat dieſen Genuß mir geopfert und ihre Worte bewie⸗ ſen mir während zweier Jahre, wie ſehr ſie dieſes Opfer ſchmerzte. Ueberdies brennt in meinem Herzen ein un⸗ wiverſtehlicher Drang nach Wiſſen; ich glaube ſogar, daß
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