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„Dieß ſagend umſchlang ich ſeine Kniee und benetzte
ſeine Hände mit meinen Thränen. Er ließ mich gewäh⸗ ren, ohne zu antworten, und ſchien ſich an meiner Be⸗ trübniß zu weiden. Ich wiederholte mit mehr Kraft und mit bittender Stimme meinen Wunſch; aber er, der böſe Peiniger, er ſteckte den Schlüſſel in die Thüre, öffnete dieſelbe und mich mitleidslos mit dem Fuße wegſtoßend, trat er in das Zimmer, ſchloß es zu und antwortete von drinnen mit einem ſpöttiſchen Ha, ha, ha!
„Gebrochenen Herzens und niedergedrückt von Scham, kehrte ich langſamen Schrittes zu Aleidis zurück. Da warf ich mich wie unmächtig in einen Seſſel, begann zu weinen, zu ſeufzen und zu raſen, wie ein Wahnſinniger. Aleidis wollte mich tröſten, aber mun ſtieß ich auch ſie zurück, und weigerte mich, mit ihr zu ſprechen. Ihre Thränen machten endlich meiner Wuth ein Ende. Dann rief ich:
„Aleidis, Du haſt mir geſagt, ich ſolle immer Dein Bruder ſein.— Dieß Verſprechen haſt Du gebrochen. Abulfaragus iſt mein Blutfeind, er wird mich noch umbrin⸗ gen. Eben ſtieß er mich noch von ſich wie man einen Hund wegſtößt. Eine Schweſter kann den nicht lieben, der ih⸗ ren Bruder ſo behandelt. Sie verlangt nicht nach ſeiner Gegenwart, ſie findet ſeine abſcheuliche Stimme nicht ſchoͤn! Ich bin adeligen Blutes, Aleidis, und ich werde es nicht länger ertragen, daß ein unedler Menſch mich verhöhne und verachte;— ſelbſt Deine Zuneigung läßt mich den Hohn nicht mehr vergeſſen.— Morgen verlaſſe ich den Laternenhof.— Ich werde gehen auf Gottes
Gnade bauend und Du wirſt mich nimmer wiederſehen! Ich weiß wohl, daß mein Gehen Dich nicht ſehr ſchmer⸗ Zen wird. Du bleibſt ja bei Abulfaragus, er kann Dir peſſer ſagen, als ich:
Schöne Jungfrau, hold und rein, Nichts hat Gott an Dir vergeſſen.


