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„Eines Tages, ich werde es nie vergeſſen, ſaßen wir wieder bei dem Wahrſager; er hatte ein neues Buch auf ſeinen Knieen liegen, da wir am vergangenen Abend Flos und Blaneflos zu Ende geleſen. Aleidis ſah ihn be⸗ gierig an und ſchien vor Neugierde jedes Wort ihm aus dem Munde nehmen zn wollen. Plötzlich gab der Wahr⸗ ſager ſeinem Geſichte eine unbegreifliche Süßigkeit, ſeine Augen ſtrahlten mit mehr Feuer, ſeine Stimme wurde weich. Er wandte ſich an Aleidis und las folgende Worte:— ich lernte ſie beim erſten Vorleſen auswendig, ſo ergriffen ſie mich:
Schoͤne Jungfrau hold und rein, Alle Tugenden ſind Dein;
Edel und von feiner Art,
Artig, keuſch und ſanft und zart, Wie ſoll ich die Worte finden, Deine Ehre zu verkünden,
Deiner Schönheit Zauberkraft, Kluge Sprach' und Wiſſenſchaft— Niemand kann ſich mit Dir meſſen: Gott hat nichts an Dir vergeſſen.
„Ich ſah während des Leſens dieſer Worte die innigſte Freude ſich auf Aleidis Antlitz ſpiegeln; aber je mehr dieſe ſchmeichelnden Worte ſie ergriffen, deſto mehr quälten mich Schmerz und Neid. Thränen floßen reichlich über meine Wangen, bis der Wahrſager aufſtand und ging.
„Ohne Aleidis etwas von meinem Vorſatze zu ſagen, folgte ich ihm auf dem Fuße bis vor die Thüre ſeines Zimmers. Da warf ich mich weinend auf die Kniee vor ihm nieder und rief mit ſchmerzlich bewegter Stimme:
„O Abulfaragus gieb mir ein Buch um Gottes willen. Lehre mich leſen, wenn Du mich nicht zu Deinen Füßen verſchmachten ſehen willſt. Ich will Dich verehren, Dir gehorchen, als Dein Knecht. O habe Mitleiden mit mir. Siehſt Du nicht, daß die Wißbegierde mich verzehrt?“


