leichtſinnig Kind, wie ich damals war, achtete ich nicht darauf und beantwortete mit ſpöttiſchem Lächeln ihren Verdruß, während ich, mein ſilbern Jagdhorn ergreifend, Freude daran fand, meine Neider mit einem Spottſtück⸗ chen zu begrüßen.— Welchen Eindruck konnte auch auf mich die Mißgunſt einer ganzen Welt machen, da ein einziger Sprung mich nach meinem Himmel zurückbrachte, wo meiner immer ein liebereich Engelchen wartete?
„Du weißt, Albrecht, dem Unglücklichen ſchleicht die Zeit hinkend weiter; aber für den Glücklichen, der die Freude aus vollen Kelchen trinkt, fliegt die Zeit mit mäch⸗ tigeren Schwingen, als denen des Adlers. Auch ich war dreizehn Jahre geworden, ohne einen Tag gezählt zu ha⸗ ben, ſo rein war ſtets unſre Bruderliebe geblieben.— Während dieſer Zeit hatte ich von Aleidis und den Die⸗ nern genauere Auskunft über die ſonderbare Lebensweiſe und den unbegreiflichen Gemüthszuſtand meines Beſchützers bekommen. Vernimm, was ich erfuhr;
„Zwei Jahre vor meiner Ankunft auf dem Laternen⸗ hofe bewohnte der gegenwärtige Herr Arnold von Craen⸗ hove daſſelbe mit ſeinem älteren Bruder Hugo; obwohl dieſer letztere allein Graf genannt wurde und von Geburt wegen der Herr von allen Gütern von Craenhove war, ſo lebte er doch ganz gleichgeſtellt mit ſeinem Bruderz ja ſo weit ging ihre gegenſeitige Zuneigung, daß ſie, um ſich nicht zu trenneu, und die Erziehung ihrer fünfjährigen Schweſter zu ſichern, einander gelobten, nie zu heirathen, noch die Bekanntſchaft irgend einer Frau zu machen. Während der vier erſten Jahre nach dem Tode ihrer Ael⸗ tern blieben ſie ihrem Verſprechen treu. Wie ich Dir ſo eben ſagte, ſie lebten glücklich bis zwei Jahre vor meiner Ankunft auf dem Schloſſe. Dann aber hoben ſie, mit ge⸗
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