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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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mich durch zwei oder drei Säle, bis in ein ſchönes Ge⸗ mach, worin ein Mädchen von ungefähr ſieben Jahren, gerade meinem Alter, an dem Fenſter ſaß und verdrießlich hinausblickte. Sobald wir einander ſahen, erleuchtete daſſelbe Lächeln unſte Züge. Graf Arnold ſprach indeß mit dumpfer Stimme:

Aleidis, meine Schweſter, ich bringe Dir einen Ge⸗ ſellſchafter, einen Bruder. Run wirſt Du nicht mehr trauern, nicht wahr? Unterhaltet Euch gut

Und mit dieſem Befehle ließ er mich ſtehen, und ging weg. Verſchämt, und keinen Schritt vorwärts wagend, blieb ich ſtehen und ſchlug die Augen nie⸗ der. Aber das Mädchen eilte ungeduldig auf mich zu, ergriff meine Hände und zog mich an das Fenſter, in lebhaftem, aber freundlichem Tone fragend:

Wie iſt Dein Name? Von wannen kommſt Du? Bleibſt Du immer hier? Kannſt Du auf dem Horne blaſen?

Ich antwortete, ſo gut ich konnte, auf die Fragen meiner Spielgenoſſin, obwohl ſie mir kaum die Zeit dazu ließ, und ebenſo ſchnell mir einen Seſſel vor den ihrigen rückte und mir befehlend ſagte:

Setz' Dich da vor mich hin!

Und als ich niedergeſeſſen war, begann ſie mit ſonder⸗ barer Neugierde, meine Geſichtszüge und Kleider zu be⸗ trachten. Nachdem dieſe Prüfung einige Zeit gedauert hatte, ſprach ſie, während ſie eine Locke von meinem Haare um ihren Finger rollte:

Welch ſchöne blonde Haare haſt Du, Bernhard! ſie ſind wie Silberfäden.

Ich, der ich bewußtlos mit meinen Augen an ihr hing, antwortete:

Nicht ſo ſchoͤn, als Deine blonden Haare, Aleidis ſie ſind ſo ſchon, wie das Gold, das in Dein Samger gewebt iſt.