mich als Hofjunker bei dem einen oder dem andern Lan⸗ desherrn annehmen laſſen, und ſo in einen Stand treten, der meinen Jahren und meinem Adel ziemte.
„In der Erwartung, daß es mir glücken werde, blieb ich in einer Bauernwohnung, bei dem edelmüthigen Laet, der mich mit Lebensgefahr aus den Flammen gerettet hatte. Am zehnten Tage kam ein Ritter, der eine Wall⸗ fahrt nach Unſrer Lieben Frau von Halle mitgemacht, an den noch rauchenden Trümmern des Schloſſes vorüber. Er beklagte unſer Unglück ſehr und ſagte, daß er früher ein Freund meines Vaters geweſen; und in der That, er ſchien ein Kriegsmann zu ſein, denn es zog ſich über ſeine Stirne eine tiefe und lange Narbe, wie von einem Schwerthiebe. Ich wurde ihm als einziges Ueberbleibſel vom Hauſe derer von Reedale vorgeſtellt. Meine rothge⸗ weinten Augen und mein trauriges Geſicht machte Ein⸗ druck auf ſein Gemüth; er nahm mich als Hoffjunker mit, den guten Leuten, die mich gerettet und beherbergt hatten, gelobend, daß er mich ſein Leben lang wie ein eignes Kind behandeln werde.
„Das Benehmen des Ritters war mir unbegreiflich: am erſten Tage ſprach er zehn Stunden lang nichts, ließ den Zaum ſeines Pferdes gieichgültig hängen, und hatte den Kopf wie ein ſchläfriger Menſch vorwärts gebeugt. Seine Augen, die er ſelten auf mich richtete, waren halb unter ſeinen ſchweren Brauen eingeſunken, und ſchienen ohne Leben, wie angelaufenes Glas. Oft beſchlich mich Angſt und Furcht, ich träumte mehr als einmal von den ſchrecklichſten Dingen; aber die Stimme des Ritters, wenn ich ſie hörte, war ſo ſanft und traurig, daß ich zuletzt mehr Mitleid als Angſt fühlte.
„Nach zwei Reiſetagen ritten wir die Stadt Antwer⸗ pen vorbei und ſtanden eine Stunde ſpäter vor der Brücke eines großen Schloſſes, das mit pier ſchweren Thürmen und hohen Feſtungsmauern umgeben war. Kaum hatte uns der Wächter über dem Thore bemerkt, als ſein Jagd⸗


