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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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junge Hirte hatte kaum das Buch bemerkt, als die Nadeln ſeiner Hand entftelen; ſein Auge erglänzte von dem Feuer der Neugierde, und ſich ſeinem Kameraden nähernd, beugte er ſich über die offnen Blätter des Buchs und betrachtete mit aufmerkſamem Blicke die Buchſtaben. Dann ſprach er ſeufzend:

Du kannſt leſen, Albrecht? In dieſem Buche alſo haſt Du gelernt, wie man die Winde drehen muß, wie man gut Wetter und ſchlecht Wetter macht, wie man das Vieh bezaubert und entzaubert.... O ich gäbe zwanzig ſchöne Jahre meines Lebens, wenn ich die Zeichen verſtünde, wie Du!

Der alte Hirte lächelte bei dieſer Betheurung und antwortete:

Nun, Bernhard, glaubſt Du auch an das Geſchwätze der alten Weiber von Santhoven? Weil ich leſen kann, macht man mich zu einem Zauberer und doch habe ich in meinem Leben kein ander Buch in Händen gehabt, als das, was Du jetzt ſiehſt. Weißt Du, was darin ſteht?

Nein, o ſage es mir!

Nun, es iſt das Leiden unſeres Herrn. Als ich noch jung war, wohnte ich bei einem alten Geiſtlichen, der hat das Buch für mich geſchrieben und mich mit vieler Mühe die Zeichen verſtehen gelehrt. Der gute Mann, Gott habe ſeine Seele, hat hinter dem Buche einige unbekannte Heil⸗ mittel für kranke Schafe hinzugefügt. Sieh, Bernhard, in der Kenntniß dieſer Heilmittel beſteht alle meine Zau⸗ berkunſt.

. Dieſe Erklärung befriedigte den jungen Bernhard nicht.

O laß' mich das Buch mal in den Händen halten! rief er mit Ungeduld.

Sobald der alte Hirte ihm daſſelbe gegeben, warf Bernhard ſich in das Haidegras, legte das Buch auf ſeine Kniee und begann mit fieberhafter Aufmerkſamkeit die Blätter eins nach dem andern umzuwenden. Es war