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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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Weiden und ſtatt des lieblichen Geisblattes ſah man hier nur fahles am Boden fortwucherndes Moos, das die umſtehenden Bäume zu einer Geſellſchaft ſterbender Greiſe machte, mit Pilzen und Schwämmen wie mit Eiter⸗ beulen überdeckt.

Nie ſenkte die Sonne ihre heitern Strahlen auf dieſen feuchten Boden; unheimliche Dunkelheit und entſetzliche Stille herrſchte hier ununterbrochen; nur von Zeit zu Zeit ertönte das Aechzen einer Nachteule durch das Laub oder machte ein fliehender Fuchs die Blätter raſcheln, und un⸗ terbrach ſo die Todtenſtille, um ſie noch ſchrecklicher zu machen.

Neben dieſem Walde lag eine unermeßliche Haide, und weiterhin, am Ende des Horizontes, wo der Himmel die Erde zu berühren ſcheint, hing ein undurchdringbarer Vor⸗ hang von Tannenbäumen.

Beim Anbruche eines Lenzmorgens im Jahre 1366, ehe die Sonne die nächtlichen Nebel durchbrochen hatte, befanden ſich zwei Schafhirten auf der Haide. Der Eine war ein alter Mann, von mehr als ſechzig Jahren mit weißem Haare und gekrümmten Rücken. Der Andere beinahe noch ein Knabe: ſiebenzehn Jahre glänzten auf ſeinem angenehmen roſigen Geſichte, blaue Augen funkelten mit ſanfter Gluth unter ſeiner breiten Stirne hervor und feine Haare, deren Farbe einer Miſchung von Gold und Silber glich, fielen über ſeinen Hals. Beide waren in rauhe Stoffe gekleidet, und damit beſchäftigt, Hoſen aus ſchwerem Wolltuch zu nähen, während ihre Heerden in einiger Entfernung die ſpärlichen Haideblumen pflückten.

Nach einiger Zeit legte der alte Hirte ſeine Arbeit nieder, zog ein Buch aus ſeiner Taſche und öffnete es. Der