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Der junge Doctor : eine Erzählung aus unserer Zeit / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von Dr. C. Büchele
Entstehung
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Wahrſcheinlichkeit glauben möchte. Wie? Ein junger Mann gleich ihm, begabt mit ausnehmendem Ver⸗ ſtand, angetrieben durch eine grenzenloſe Liebe zu ſeiner Mutter, und arbeitend wie ein Sclave, um Kräfte zu ſammeln, er ſollte unterliegen, wo der dicke Sohn unſeres Brauers vergangenes Jahr noch geſiegt hat? Ha, ha, und wäre die Prüfung tauſend⸗ mal ſchwerer; wenn je ein Mann ſie erſtehen kann, ſo wird auch Adolph nicht zu ſchwach hiezu ſein. Sieh, Franciska, ich wette die zwei neuen Fuchſien, die unſere Tante mir aus der Stadt geſchickt hat, gegen die Geranien, die dort an dem Fenſter ſtehen, daß Adolph nicht allein Sieger ſein wird, ſondern daß er ſein letztes Examen mit großer Auszeichnung be⸗ ſtanden haben wird. Nimmſt Du die Wette an?“

„Ach, liebe Adelina, Gott gebe, daß ich meine Geranien verliere!“ ſagte Franciska mit heiterem Lächeln auf dem Angeſicht.

Auch die getröſtete Mutter lächelte und drückte dem frohmüthigen Mädchen dankbar die Hand. Auf dem Antlitz des Greiſes hatte ein Ausdruck ſüßen Vertrauens die Zeichen ängſtlicher Niedergeſchlagen⸗ heit verdrängt. Alle waren unter dem Einfluß von des Mädchens Worten in den Himmel des Glaubens und der Hoffnung erhoben worden.

„Ich werde hier warten, bis die Poſt kommt,“ ſagte Adelina, einen Stuhl nehmend.„Mein Vate mußte ſchnell in dem Weiler hinter dem Haidenſump einen Kranken beſuchen. Er iſt nicht minder begie rig, als Sie, Nachricht über Adolph zu erhalten ich bin überzeugt, daß er bei ſeiner Rücktehr hieher

kommt.“

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