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Sein Großvater deutete mit dem Finger nach dem Spiegel.
„Betrachte Dein Geſicht,“ ſagte er,„und wider⸗ ſprich, wenn Du kannſt, der Anklage, die darauf ge⸗ ſchrieben ſteht.“
Bei dieſen Worten ſprang Adolph auf; und als hätte das Uebermaß des Hohns, womit das Schickſal ihn belaſtete, ſeine Sinne verwirrt, brach er in ein ſchallendes Gelächter aus.
Der alte Mann ſah ihn beſtürzt an.
Aber ebenſo ſchnell legte ſich des Jünglings ſelt⸗ ſame Bewegung. Er ſetzte ſich wieder auf den Stuhl, faßte die Hand des Greiſes und ſprach in ſtillem, gelaſſenem Ton:
„Nun, Großvater, laß uns ruhig ſein. Höre mich an und glaube mir, daß ich mich ſelbſt verab⸗ ſcheuen würde, wenn ich im Stande wäre, Eure Liebe mit Falſchheit oder Heuchelei zu belohnen. Willſt Du wiſſen, wie hier zu Löwen mein tägliches Leben iſt? Sobald der erſte Schimmer des Tageslichtes durch mein Fenſter bricht, ſitze ich am Tiſch, mit dem Kopf in den Händen. Den ganzen Morgen und manchmal einen Theil des Nachmittags bringe ich im Collegienſaale und im Hoſpitale zu. Kaum bin ich von den praktiſchen Studien frei, ſo komme ich in einem Athem hieher gelaufen, ſetze mich nieder und ſtudire mit ſo viel Eifer und fieberhafter Auf⸗ merkſamkeit, daß ich das Blut mir unter der Stirne kochen fühle. Der Tag iſt lang in dieſer Jahreszeit, nicht wahr? Und dennoch für mich nicht lang genug. Das Lämpchen, das dort auf dem Kamin ſteht, könnte Dir ſagen, wie oft der arme Student an dieſem
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