Teil eines Werkes 
2. Theil (1826)
Entstehung
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beruhigen und tröſten; der Irrthum und das Zurück⸗ bleiben einzelner Perſonen, wie ganzer Nationen, kann ihn weder betrüben noch entmuthigen, da er von einer progreſſiven Bewegung des Ganzen überzeugt iſt, und das Leben in ſo großen Zügen ſieht, wie es, von der Höhe der Theorie betrachtet, ſich allenfalls geſtalten mag. Alſo auch hier, wie überall, verfolgt der Menſch eine Chimäre.

Um ſich zu wappnen gegen die traurige Erkennt⸗ niß der Nichtigkeit unſeres Daſeins beſchäftigt ſich Je⸗ des mit dem Cultus, den er einem ſelbſt geſchaffenen Götzen weiht; um ſich zu ſchützen gegen den Schwin⸗ del des ekelerregenden Kreislaufes des Lebens hat ſich Jedes nach Geſchmack und Neigung ein Centrum ge⸗ wählt, an das es ſein Glück gebunden wähnt. Mit Goldſchaum wird die Nacktheit des ſelbſtgewählten Idea⸗ les bei Euch und uns verhüllt; mit dem vergilbten Pa⸗ pier fortgeerbter Wiſſenſchaft ſchmückt man es hier, während dort eine trügeriſche Poeſie ihre Flammengar⸗

ben wirft, um das Nichts zu läugnen und zu verklären. So iſt der Menſch! Immer will er ſich ſelbſt entfliehen, aber Keiner kann ſich von dem unheimlichen Gaſte des Selbſtbewußtfeins befreien, das uns ſogar die Hoff⸗ nung auf einſtige, gänzliche Ruhe und Vernichtung zweifelhaft macht.