116 Jakob von Artevelde.
Die Jungfrau, welche jetzt merkte, daß eine ernſte Gefahr ihren Geliebten bedrohte, ſtellte ſich, mit Thränen in den Augen, vor Ghelnoot hin, ſah ihn traurig an und ſagte mit ſanftem Tone:
„Mher van Lens! wollt Ihr Eure treue Schweſter tödten? Bleibt hier, um Gottes willen; Ihr wißt nicht, was Ihr thut. Er iſt unſchuldig, ſage ich Euch. Ihr, ſtets ſo großmüthig und ſo fröhlich, wollt Ihr eine Schlechtigkeit begehen und mich zum Tode betrüben? Ach! das werdet Ihr nicht thun.“
„Frau Artevelde fügte ihre Bitten zu denen ihrer Tochter, bis Ghelnoot ſich auf einen Stuhl warf und ausrief:
„ Gut, gutl er kann mir doch dieſe Nacht nicht fort⸗ fliegen; ich werde ihn morgen ſchon finden. Alſo, Lie⸗ ven, wir bleiben gute Geſellen bis morgen!“
„Um welche Stunde?“ fragte Lieven.
„Um acht Uhr!“
„Ich werde Euch erwarten!“ antwortete der Jüng⸗ ling, mit zorniger Haſt ſeinen Mantel umwerfend, um das Haus zu verlaſſen.
„Nehmt es mir nicht übel, Frau Artevelde, und Ihr, Veerle, daß ich fortgehe!“ ſagte er.„Ich kann hier nicht mit Mher Ghelnoot zuſammen ſein, bis das Räth⸗ ſel gelöſt iſt.“
Frau Artevelde hielt den Jüngling lächelnd zurück und ſagte:
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