108 Jakob von Artevelde.
man Dein Leben zerſtören will. Sage uns gerade her⸗ aus, was Dich quält; nur in der größten Offenherzig⸗ keit allein könnt ihr Beide Troſt und Rettung finden.“
Es währte eine Weile, ehe ſich Lieven entſchließen konnte, dieſe Frage zu beantworten. Ein mächtiger Grund ſchien ihn davon abzuhalten, und beſchämt ſenkte er den Kopf.
Frau Artevelde fragte ihn mit ſtrengem Blicke:
„Lieven! fühlſt Du Dich denn ſchuldig, daß Du nicht zu reden wagſt?“
Aengſtlich verfolgte Veerle jede Miene, welche ſich auf dem Angeſicht des Jünglings zeigte. Plötzlich aber bedeckte ihr eigenes Antlitz ein Ausdruck des Zorns und der Betrübniß, wie ein dunkler Schleier, und faſt un⸗ merklich zog ſie ihre Hand aus Lievens Hand zurück.
„Ach!“ rief dieſer endlich,„es giebt Dinge, die ich nicht offenbaren kann; aber Ihr werdet begreifen, wie tödtlich ich leiden muß, wenn ich Euch ſage, daß ich hier⸗ her gekommen bin, um von Veerle auf immer Abſchied zu nehmen.“
Dieſe Erklärung überraſchte Frau Artevelde, als ob ſie ſie an etwas Anderes erinnere; ſie ließ deutlich Zorn und Unwillen blicken.
Veerle ſtieß einen ſchmerzlichen Schrei aus, ſchob ihren Stuhl zurück, bedeckte ihre Augen wieder und weinte laut ſchluchzend.
„Wehe! wehe!l es iſt alſo wahr, was man Jacque⸗ myne geſagr hat!“ rief ſie.
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