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Geliebten. Ein unverſtändlicher Schrei entrang ſich ihrer Bruſt; weinend legte ſie die beiden Hände an die kalten Wangen des Jünglings und ſah ihm ſtarr in die Augen, als ſuche ſie in ſeine Seele zu dringen und zu wiſſen, was ihn ſo erſchüttert habe.
„Nein! nein!“ rief ſie halb lachend, halb weinend; „es iſt nicht wahr, Mutter! Ach nein! nein! Armer Freund! was haſt Du? O, ſprich um Gottes willen, daß ich Deine Stimme höre!“
Als ſie dennoch von Lieven keine Antwort erhielt, drückte ſie bebend ihre Lippen auf ſeine Stirn, wie wenn ſie in ihrer Beſtürzung kein anderes Mittel mehr kennte, als dieſen höchſten Beweis ihrer Neigung, um ihren unglücklichen Freund wieder in das Bewußtſein zurück⸗ zurufen.
Wirklich beſtrahlte nun auch ein wunderbar ſüßes Lächeln wie ein helles Licht das Antlitz des Jünglings. Mit wehmüthigem Blicke richtete er nun ſein Auge fle⸗ hend auf den Engel, der ihn gerettet hatte, und ſagte ſtatt aller Antwort:
„Veerle! Liebe Veerle! ich danke Dir, daß Du Dich meiner erbarmt haſt.“
„Dafür ſei Gott in Ewigkeit geſegnet!“ rief Veerle jauchzend und das Lächeln auf Lievens Geſicht erwiedernd. Sie nahm nun raſch eine gläſerne Kanne von der Tafel, goß Waſſer aus derſelben in eine ſilberne Schaale, brachte dieſe mit zärtlicher Beſorgtheit an Lievens Lippen und ſagte mit dem ſüßeſten Tone ihrer Stimme:
„Trinke, mein armer Freund! ſetze Dich zu mir!
Jakob von Artevelde.
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