98 Jakob von Artevelde.
Im St. Jorishof verſicherte Jeder, ſogar die Freunde des Oberhauptmanns, daß Ghelnoot ſich mit Veerle vermählen würde. Ich glaube es nicht; einen Jüngling faſt täglich empfangen, ihm Liebe beweiſen, und in der Zwiſchenzeit die Heirath mit einem Anderen vorbereiten? Ach! ſo weit dürfen ſie doch die Unverſchämtheit nicht treiben!— Eine andere Neuigkeit hat mich tiefer ver⸗ wundet, obwohl ich nicht weiß, was man davon glauben darf. Im St. Jorishof war eine junge Frau aus Ma⸗ rienland; die hatte den geſtrigen Nachmittag im Beggyn⸗ hof zugebracht, als Jungfrau von Artevelde auch da war; und dieſe erzählte, daß Veerle lachend in ihrer Gegen⸗ wart geſagt habe: Du, Lieven, dienteſt ihr nur zum Zeit⸗ vertreibe; ſte finde Vergnügen an Deinen unſchuldigen Liebesbezeigungen, liebe Dich aber nicht, und ſei Dei⸗ ner müde..... 47
Wie ein verwundeter Löwe ſprang Lieven ploͤtzlich von ſeinem Stuhle auf und trat einige Schritt zurück. Er be⸗ trachtete ſeinen Vater mit brennendem Blicke, und rief:
„Es iſt falſch, falſch, was Du ſagſt!“
„Was ich ſage?“ wiederholte Geeraert Denys ge⸗ laſſen.„Du meinſt, was die junge Frau von Marien⸗ land geſagt hat! Vielleicht iſt es wirklich nur eine Un⸗ wahrheit; ich will nicht dafür ſtehen.“
„Warum, Vater! warum mir denn mit dieſer Ver⸗ leumdung das Herz aus dem Buſen reißen? O, Gnade! Gnade! Laßt mich gehen! ich leide entſetzlich; mir wir⸗ belt Alles vor den Augen.... es iſt, als ob mir der Kopf zerſpränge...“
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