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Jakob von Artevelde. 93
mitunter der Muth, wenn er daran dachte, Veerle Re⸗ chenſchaft von ihrem Betragen abzufordern. Sein Geiſt brachte ihm jedoch wieder Ghelnoot vor die Sinne, und dies machte, daß ſein Blut ungeſtüm durch ſeine Adern ſtrömte und ſein Herz von heimlicher Rachſucht ſchwoll.
Als er die Wynaerdsbrücke erreicht hatte, wollte er die Kerkſtraße hinaufgehen, um ſich nach ſeiner Woh⸗ nung zu begeben. Doch ſah er von Weitem ſeinen Vater mit dem Könige der Ribauden ſprechend ſtehen. Ob⸗ wohl Muggelyn jetzt nicht ſelten im Hauſe des Ober— dechanten erſchien, hatte Lieven doch ſtets ſeinen Abſcheu gegen ihn bewahrt, und er vermied denſelben mit einer Sorgfalt, die keinem anderen Gefühle, als einem tiefen Haſſe zugeſchrieben werden konnte. Er wandte ſich daher nach der St. Janskirche und ging auf den Kirchhof, wo er hinter der Mauer bei einem Leichenſteine niederkniete. Nachdem er lange mit geſenktem Haupte dort gebetet hatte, richtete er ſich auf und kehrte mit erheitertem Ant⸗ litz und getröſtetem Gemüth langſam nach ſeiner Woh⸗ nung zurück, die nur einige Schritte von dem Kirchhofe entfernt lag.
Kaum hatte er daſelbſt ſeinen Mantel abgelegt und auf einen Stuhl gehängt, als ſein Vater ebenfalls in das Gemach trat und zu ihm mit einem Tone, der einen wichtigen Beſchluß zu verkünden ſchien, ſagte:
„Lieven, geh' mit mir hinauf; ich habe Dir Etwas zu ſagen!“
Der Jüngling gehorchte und folgte ſeinem Vater in ein oberes Zimmer, wo der Oberdechant ihre Unterre⸗


