84 Jakob von Artevelde.
daß er nirgends mehr Freude und Genuß finden konnte, als unter dem Eindrucke der brauſenden Wogen und der klappernden Mühle. Für ihn hatte dieſes Brauſen und Rauſchen nur den Ton des Schmerzes und der Verzweiflung; ſobald eine Welle von oben herabgeſtürzt ſich wieder mit Ge⸗ walt emporwarf und unter dieſem ſchweren Beſtreben aufſeufzte, zeigte ſich ein bitteres Lächeln auf dem Antlitz des Jünglings. Denn ſeine poetiſche Einbildungskraft ließ ihn glauben, er habe in der Natur ein Weſen ge⸗ funden, welches wie er zu ewigen Leiden verdammt ſei, ohne daß Jemand ſeine Klagen verſtehe. Dieſe mächti⸗ gen Stimmen, das Toben der Wogen, das ſchnelle Rau⸗ ſchen des Waſſers, bemächtigten ſich obendrein ſeines Geiſtes und ſchafften ihm Ruhe vor den folternden Ge⸗ danken, welche wie verſteckte Schlangen ſchon ſo lange an ſeinem Herzen nagten. Hier am Rande des Waſſers löſte ſich ſein ſchmerzliches Sinnen in Träumen, in ei⸗ nem Schlummer des Gefühls auf, der ihm wenigſtens noch einige Ruhe und noch einigen Frieden gewährte. Was konnte nur die Urſache ſein von des Jünglings Leiden? Er, ſo voll Lebensfreuden, ſo mild beſchenkt mit allen Gaben des Gefühls, mit aller Zärtlichkeit ei⸗ ner zum Lieben geſchaffenen Seele? Er, dem die Saiten des Herzens wiedertoͤnten bei der mindeſten Berührung, dem Alles in der Natur zulachte? Ach! die Verleumdung hatte auch ſein Leben ver⸗ giftet; ſeit ſeiner unglücklichen Reiſe nach Brüſſel hatte er keinen Schritt mehr thun können, ohne daß ſich in
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