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Jakob von Artevelde.
IX.
Es war zu Gent bei der Brabantbrücke, einem Platze, an welchem der denkende oder gefühlvolle Spaziergänger ſelten vorüberkommen wird, ohne ſich angezogen zu füh⸗ len, einige Augenblicke ſtill zu ſtehen und ſich in unbe⸗ ſtimmte Träume zu verlieren. Dort hörte man unauf⸗ hörlich das laute Geräuſch der ſtädtiſchen Waſſermühlen, welches mit unwiderſtehlicher Gewalt den Geiſt des Hö⸗ rers zu ruhen zwang. Die geſtaute Niederſchelde ſtürzte ſich hier mit entſetzlichem Wogen und Brauſen von der Höhe herab und rollte eine Zeit lang ihre Wellen in wilden Wirbeln fort, bis ſie dann mit Blitzesſchnelle ih⸗ ren Lauf bis nach Sanct Baefſtede fortſetzte.
Auf der anderen Seite hob Ser Geeraert's Teufels⸗ ſteen ſeine ſchweren Thürme und hohen Mauern empor. Wie der Palaſt eines Rieſen ſchien dieſes geheimnißvolle Gebäude über dem ewigen Brauſen und der ſteten Be⸗ wegung der Fluth zu herrſchen, welche wie ein niedriger Diener plötzlich bei den Grundfeſten des Steens ihren Lauf hemmte und den Fuß ihres Herren im Vorüber⸗ fließen ſchmeichelnd zu beſpülen ſchien.
Seit Monaten hatte Lieven Denys dieſen Ort vor allen andern zum Ziel ſeiner einſamen Wanderungen gemacht. Anfangs brachte er hier nur einige Augenblicke in trübem Sinnen zu, allmählig hatte ſich jedoch ſo viel Uebereinſtimmung zwiſchen ihm und der Fluth gebildet, 6*


