74 Jakob von Artevelde.
entfernte ſich der Oberdechant, um wider ſeinen Willen dieſe Befehle auszurichten. Es marterte ihn auf eine unerträgliche Weiſe, ſich unter dem Zwange der Kriegs⸗ zucht beugen und in Gegenwart von Amtsgenoſſen und Freunden ſtumm und ergeben die Demüthigung einer ſtrengen Ermahnung hinnehmen zu müſſen. Doch hob er bald wieder das Haupt trotzig empor und wilde Freude glänzte in ſeinen Augen; die Hoffnung, ſich zu rächen, erfüllte wieder ſein Herz.
Die zuſammengerufenen Centeniers, achtzig an der Zahl, hatten ſich vor Artevelde's Zelte eingefunden und erhielten von ihm den Befehl, ſich in verſchiedenen Rich⸗ tungen wie neugierige Spaziergänger nach der Kapelle von Eplechin zu begeben und ſich dort ſo viel wie mög⸗ lich unter die Ritter und anderen Zuhörer zu miſchen, jedoch nichts zu thun oder zu ſagen, was eine beſondere Abſicht oder Unzufriedenheit verrathe, ſondern nur auf den Oberhauptmann und auf den Schöffen Simon van Merlebeke zu achten.
Kaum hatten ſich die Centeniere nach allen Seiten
hin zerſtreut, um ſich, dem Anſcheine nach ohne irgend
eine beſondere Abſicht, nach der Kapelle von Eplechin zu begeben, ſo beſtieg Artevelde eine kleine Erhöhung, von welcher aus er das ganze Lager überſehen konnte. Alle Fähnlein ohne Ausnahme ſtanden bereits vor den Zelten ſchlachtfertig in einer unüberſehbaren Reihe, mit einer Tiefe von acht Gliedern, welche ſich bis an die Mauern von Doornik ausdehnte, ungefähr vierzig⸗ tauſend Mann ſtark. Ueber dieſer anſehnlichen Kriegs⸗
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