114 Jakob von Artevelde.
den Sprecher mit ſcharfem Blicke und ſchien in deſſen Zügen zu forſchen, ob er ihn habe verhöhnen wollen oder nicht. Das ruhige und unveränderte Antlitz des weiſen Mannes flößte ihm jedoch eher Achtung als Un⸗ willen ein. Da er ſich indeſſen durch den Sinn von Ar⸗ tevelde's Worten tief verletzt fühlte, ſo konnte er ſich nicht raſch bezwingen und ſchritt daher mehrere Male heftig im Saale auf und ab. Jakob war aus Ehrerbie⸗ tung aufgeſtanden, rührte ſich indeſſen nicht, ſondern wartete, bis der Graf ſelbſt wieder das Wort an ihn richten würde.
Ludwig von Nevers beruhigte ſich langſam, näherte ſich endlich wieder Artevelde und gab ihm ein Zeichen, ſich von Neuem zu ſetzen.
„Die Wahrheit, Herr Graf, iſt eine rauhe Jung⸗ frau, nicht wahr?“ ſagte Artevelde.„Es ſieht aus, als wolle ſie hhnen und die Ehrfurcht verletzen, und ſie reißt oftmals alte Wunden auf, die von Neuem wieder bluten. Verzeiht mir, gnädiger Herr! ich habe ſie nicht zu dem gemacht, was ſie iſt.“
„Ach, ja wohl!“ ſeufzte der Graf und warf ſich in ſeinen Seſſel.„Nochmals, Oberhauptmann! ich will Euch bis zu Ende anhören. Was auch die Folgen ſein mögen, ich vergeſſe dieſen Tag nie. Wunderbarer Bür⸗ ger, der Ihr ſeid! was gab Cuch die Macht, ſo unwider⸗ ſtehlich Jeden zu beherrſchen? Wer lehrte Euch ſo ge⸗ waltig den Schleier von vergangenen Zeiten abreißen und Dinge erklären, die mich verſtummen machen?“ „Ruhiger Eifer nach Wahrheit und warme Liebe
für n tevelde.
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