Teil eines Werkes 
2 (1849)
Entstehung
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Jakob von Artevelde. 99

und nach einem Saale geführt, in welchem ſich der Graf nebſt verſchiedenen anderen Perſonen befand.

Ludwig von Nevers war ein Mann von mittlerem Alter, wohlgebaut und von angenehmen Geſichtszügen; etwas Feines und Edles lag in ſeinen Geberden und ſeiner Sprache. Man konnte ſehen, daß fürſtliches Ge⸗ blüt und fürſtliche Erziehung ihm Leib und Geiſt ge⸗ ſchmückt hatten mit ritterlicher Bildung und würdevoller Haltung. Seine verwiſchten Geſichtszüge jedoch, der träge Aufſchlag ſeiner Augen und die Magerkeit ſeiner Glieder ließen vermuthen, daß es ihm, wenn er auch alle anderen Gaben beſaß, doch wahrſcheinlich an männ⸗ lichem Willen und Kraft des Gemüthes fehle.

Bei Artevelde's Eintritt warfen die Höflinge und Rathsherren, ſämmtlich Fremdlinge, höhniſche und for⸗ ſchende Blicke auf den berühmten Bürger von Gent; aber der Graf ſtand von ſeinem Seſſel auf und erſuchte Alle, den Saal zu verlaſſen. Sobald ſie in Folge dieſes Befehles durch die Seitenthüren verſchwunden waren, ging der Fürſt auf Artevelde zu, faßte ihn freundlich bei der Hand, führte ihn zu den Seſſeln, und ſagte ihm auf Franzöſiſch, das, wie er wußte, der Genter Bürger vor⸗ trefflich ſprach:

Willkommen, Oberhauptmann meiner guten Stadt Gent! Es iſt ſchon lange, daß ich über verſchiedene Dinge mit Euch Rath pflegen wollte; denn man erzählt ſich Wunder von Eurer großen Weisheit; einige Hinderniſſe haben mich aber bisher davon zurückgehalten. Jetzt iſt es mir indeſſen vergönnt, mit Euch allein zu ſein; Ihr

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