Teil eines Werkes 
2 (1849)
Entstehung
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90 Jakob von Artevelde.

ſchüchternen Blick auf dieſes anſehnliche ſteinerne Ge⸗ bäude warf; ein Gefühl der Kälte und Angſt beklemmte ſein Herz, und es war ihm, als habe ihn ein Zauber zu⸗ rückverſetzt in die Zeiten der Knechtſchaft und Unter⸗ drückung des Volkes, deren Erinnerung in den gewerb⸗ fleißigen vlämiſchen Gemeinen ſchon ſeit Jahrhunderten erloſchen war.

Die niedrigen und elenden Häuſer rings um das gräfliche Schloß, die Armuth und der Schmutz der dort wohnenden Unterthänigen, die tödtliche Stille, die hier herrſchte, vermehrten noch den peinlichen Eindruck, und wenn man ſich endlich von dieſem letzten Aufenthalte der lehensherrlichen Macht entfernte, fühlte man die Bruſt ſo beengt, als hätte man Stickluft eingeathmet.

Oben auf der Feſtungsmauer wandelten die Schild⸗ wachen wie ſtumme Schatten hin und wieder. Selbſt am hellen Tage ſtörte hier nichts die Stille, welche den gefürchteten Lehensherrn umgab; nur dann und wann ward dieſelbe unterbrochen durch das eintönige und wie⸗ derhallende Gebell der Jagdhunde innerhalb des Steens.

An dem Tage, an welchem Artevelde dort erſcheinen ſollte, boten die Straßen rings um die gräfliche Woh⸗ nung einen ganz anderen Anblick dar. Eine Menge Gen⸗ ter Bürger und Zunftgenoſſen ſtanden dort in Haufen verſammelt, ſich laut mit einander unterhaltend. Andere, welche bewaffnet waren, wandelten in kleinen Gruppen die Straßen ein und aus; denn da ſie ſich nicht auf dem Grundgebiete der Stadt befanden, ſo war es ihnen nicht erlaubt, hier mit Waffen zu verweilen. Um jedoch ihre

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