Teil eines Werkes 
2 (1849)
Entstehung
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68 Jakob von Artevelde.

In dieſem Augenblicke kam ſein Sohn Lieven zu ihm geeilt und umarmte ihn feurig. Der Oberdechant gab ihm ſeinen Kuß zurück und ſagte:

„Lieven! Lieven! Du haſt Dich eines ſchweren Ver⸗ gehens ſchuldig gemacht, und ich ſollte Dich wenigſtens acht Tage mit den Schandeiſen an den Händen vor mei⸗ uem Zelte ſtehen laſſen; dennoch vergebe ich Dir wegen des guten Erfolges Deiner Vermeſſenheit; laß es aber nicht wieder geſchehen, denn ſonſt ſehe ich mich genöthigt, Dich auf immer aus der St. Jorisgilde zu verbannen.“

„Ach, Vater!“ rief Lieven Denys, mit vor Trotz funkelnden Blicken;„ich habe den Oberhauptmann und vielleicht das Vaterland gerettet. Schandeiſen an den Händen! Aber ich würde heute lachend ſterbend; ich bin jung, Vater, und kann noch nicht viel leiſten; allein den Befreier von Gent, den weiſen Mann, gerettet zu haben, iſt eine That, welche in meinem Leben Epoche macht!“

„So, ſo!“ ſagte Geeraert, mit unterdrückter Wuth, „es ſcheint, daß der Uebermuth Dich berauſcht hat. Wer Dich ſo ſähe, ſollte wahrlich glauben, Du hätteſt die Welt umgekehrt.“

Er bemerkte nun, daß dieſer Scherz ſeinen Sohn tief ſchmerzte, gab ihm daher die Hand, und fuhr fort:

„Du haſt Dich jedenfalls heldenmüthig betragen,

das geſtehe ich Dir gern zu. Begieb Dich nur nach Dei⸗

nem Zelte und reinige Dich von dem Blute. Ich muß jetzt für die Verwundeten ſorgen. Halte Dich ruhig, Lieven, und rühme Deine That nicht zu ſehr; es würde Dir nachtheilig ſein.“

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