Teil eines Werkes 
2 (1849)
Entstehung
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22 Jakob von Artevelde.

Vorübergehenden bewundernde Blicke auf die ſchöne Jungfrau werfen ſah. Und in der That, etwas Zau⸗ berhaftes, gleich einem Nebelkreiſe von Glück und Liebe, umgab die junge Veerle in dieſem Augenblicke; ihr Ant⸗ litz glänzte mit dem hellen Lächeln, welches einer Freude vorausgeht; ihre dunkeln, ſchwarzen Augen ſtreiften fun⸗ kelnd über den Markt; ſtolz richtete ſie den ſchlanken Hals empor, als ob ſie fühle, daß Artevelde's Blut durch ſei⸗ nen Patriotismus auch in den Adern ſeiner Tochter ver⸗ edelt ſei. Gewiß, ſie bedurfte, um ſchön und reizend zu ſein, weder prächtiger Kleider, noch reicher Juwelen, ob⸗ gleich ſie dieſelben jetzt trug. Ein Gewand von himmel⸗ blauer Seide umwallte faltenreich ihre ſchlanken Glieder; eine künſtlich gearbeitete goldene Kette glänzte auf ihrer Bruſt; ihre Kopfbedeckung von feinem weißen durchſich⸗ tigen Zeuge zierte ihr Haupt und ihren Hals, während ſie die holde Röthe ihrer Wangen erhob.

Lieven Denys ſtand neben ihr mit einer ganz ande⸗ ren Haltung; ihm pochte das Herz und Stolz erfüllte daſſelbe; dennoch wagte er nur dann und wann die Au⸗ gen zu Veerle zu erheben, und blickte meiſtens träumend vor ſich nieder. Es war, als ob er ſich gefürchtet hätte, irgend Jemanden in der Welt merken zu laſſen, was in ſeinem Herzen vorgehe, und als ob er beſorge, durch die Augen einen Theil der ſeligen Rührung zu verlieren, welche ihn jetzt mit ſüßer Gewalt gefangen hatte. Nicht ſelten ſtieg ein dunkles Roth in ſeinem Antlitz auf, wenn ein Vorübergehender durch langes Anſchauen in ſeine

Seele dringen zu wollen ſchien, um dort die Tiefe ſeines

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