Jakob von Artevelde.
„Das mag er auch nicht trinken,“ ſagte der alte Bürger.
„Da müſſen die Schenken in Afrika wenig Nah⸗ rung haben,“ ſcherzte Lieven;„aber das ſchadet nichts; der Mohr ſoll wiſſen, daß ich ſein Bruder bin.“
Er ſchlug den Arm um den Nacken des erſtaunten Afrikaners und küßte ihn auf die Wange, unter dem lauten Händeklatſchen und Jauchzen Aller, die es ſahen.
„Wohl gethan! wohl gethan, Lieven!“ riefen ſeine Freunde, als ſie ihn den Mohr verlaſſen und zu ihnen zurückkommen ſahen; ſie waren jedoch erſtaunt, nachdem er ſich ihnen genähert hatte; denn obwohl er noch lachte, blinkten dennoch Thränen in ſeinen Augen.
„Was iſt das?“ ſagte Einer;„Du thateſt es doch von ganzem Herzen. Nimm Dich nur in Acht, daß Du heute nicht noch verrückt wirſt, Lieven!“
„Das wäre nicht unmöglich,“ antwortete der junge Blaufärber, ſich hinſetzend;„ich werde wirklich noch ver⸗ rückt vor Freude; ich kann Euch gar nicht ſagen, was ich fühle; ein König kann nicht ſo hochmüthig ſein, wie ich es jetzt bin. Ich ging über den Freitagsmarkt; wenn ich da ſo ſehe, wie viele fremde Kaufleute jetzt in Gent ſind und welche unbegreiflichen Reichthümer unſer Jahrmarkt ausbreitet; wenn ich das Genter Volk in allen Straßen jauchzen und ſingen höre, dann pocht mir das Herz und ich möchte vor Freude tanzen.“
„Er hat Recht,“ rief ein Strohdeckergeſelle von ei⸗ nem andern Tiſche herüber;„wir haben Elend und Hun⸗ ger genug gelitten. Jetzt iſt Freiheit und Nahrung in
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