Teil eines Werkes 
1 (1849)
Entstehung
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Jakob von Artevelde. 109

Recht! Halte Dich ſtill und mache kein Geräuſch. Ich werde raſch einſchlafen; denn die Augen fallen mir wider Willen zu.

Lieven begab ſich leiſe zu ſeinem Pult und ſetzte ſeine Arbeit fort. Von Zeit zu Zeit wandte er die Blicke nach ſeinem Vater und bemerkte betrübt, daß derſelbe nicht einſchlafen könne, indem er ſich fortwährend im Stuhl hin und her drehte und dann und wann die Augen öff⸗ nete, um ſie eben ſo vergeblich wieder zu ſchließen.

Endlich nach einer halben Stunde bewies das hör⸗ bare Athmen ſeines Vaters, daß derſelbe Ruhe genoß und feſt eingeſchlafen war. Jetzt erſt ging Lieven auf den Fußſpitzen zum Feuer und legte Holz hinzu, worauf er ſich wieder zu ſeinem Pulte begab und fortarbeitete.

Wohl eine gute Stunde lang herrſchte die vollkom⸗ menſte Stille im Zimmer, und Lieven, in eine lange Rechnung vertieft, hatte ſeit geraumer Zeit ſich nicht um das Feuer bekümmert, als ihn plötzlich ein dumpfer Laut ſtͤrte und ihn die Blicke auf ſeinen Vater richten ließ. Was der Jüngling ſah, mußte entſetzlich ſein; denn er wurde bleich und ſtarrte, wie von einer ſchrecklichen Er⸗

ſcheinung gefeſſelt, nach dem Kamin hin.

Das Antlitz ſeines Vaters war in der That abſcheu⸗ lich anzuſehen. Die weit geöffneten Augen ſtanden ihm unbeweglich und verwildert im Kopfe; die krampfhaft geöffneten Lippen zeigten ſeine feſt zuſammengebiſſenen Zähne; über ſeine Stirn und ſeine Wangen liefen zit⸗ ternde Falten, und ſeine Haare ſträubten ſich empor. Auf dies Alles warf die flackernde Flamme einen rothen