88 Jakob von Artevelde.
mann wählte, aber zum Oberhauptmann? Gewiß, Mut⸗ ter, daran denkt er gar nicht.“
„Und ich ſage Dir, Lieven, er brennt darauf; mit Dir ſpricht er nicht darüber, denn er liebt Dich ſehr und weiß, daß es Dich betrüben würde. Vielleicht meint er auch, daß Du die Dinge bereits zu gut durchſchaueſt; mich im Gegentheil betrachtet er als eine gutmüthige, einfältige Perſon, und läßt hier und da ein Wort gegen mich fallen, aus dem ich recht wohl merken kann, wo ihn der Schuh drückt. Wenn er nur jetzt in ſeinem Hoch⸗ muthe nichts ſagt oder thut, was Veerle's Vater mit Recht erzürnen kann.“
„Ach nein, Mutter!“ ſeufzte Lieven betrübt,„das wird nicht geſchehen.“
„Wer weiß, Lieven! Wenn er aber durch ſeinen thörichten Leichtſinn die Sache hier in Verwirrung bringt, ſo ſoll er ſehen, mit wem er zu thun bekommt. Ich werde dieſer Grillen müde, Kind; das muß ein Ende nehmen. Seit wir unſer altes Haus in der Lange Munte verlaſſen haben, um, gegen meinen Willen, in dieſen Stein zu ziehen, iſt unſere Wohnung eine Hölle von Unzufriedenheit und Verdruß geworden. Dein Vater iſt krank, Lieven, er iſt wirr im Kopfe, und kann ich ihn heilen, ſei es ihm lieb oder leid, ſo werde ich es nicht unterlaſſen.“
Plötzlich ſtand Lieven überraſcht von ſeinem Stuhle auf, um auf eine Stimme zu horchen, die im Vorge⸗ mach unverſchämte Worte zu der Dienſtmagd ſprach. Ehe er jedoch noch einen Schritt thun konnte, um die
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