86 Jakob von Artevelde.
„Es iſt doch die Pflicht jedes guten Bürgers, der Ge⸗ meine ſo nützlich wie möglich zu ſein. Der Vater hat jetzt Mittel und Zeit im Ueberfluß; was kann er alſo Beſſeres thun, als für das allgemeine Wohl mitwirken?“ „Ich weiß wohl, Lieven, daß man bei Dir ſchlecht ankommt, wenn man nicht immer vom Vater ſchön re⸗ det; das macht Dir Ehre, Kind; aber ich kenne ihn ſchon ſo lange; ich weiß zu gut, was ihm im Kopfe ſteckt und was nicht drin ſteckt. Es wäre beſſer, Du ſtändeſt mir bei, ihn von ſeinen Grillen zu heilen; denn verlaß Dich darauf, womitt er ſich jetzt abgiebt, das wird noch ärgere Folgen haben, als ihn aus dem Lande zu verbannen.“ „Nein, nein, Mutter! Eure Furcht iſt ungegründet; der Vater iſt wohl auffahrend und haſtig, aber es ge⸗ bricht ihm auch nicht an Vorſicht und Klugheit.— Und wenn er ſich auch wirklich in Gefahr bringt, ſo geſchieht es doch nur aus Vaterlandsliebe und aus Liebe zur Frei⸗ heit, und das iſt doch wahrhaftig löblich. 24 „Ja, ja!“ ſagte Frau Denys, die Achſeln zuckend, „ich weiß nicht, wo Ihr Leute die Worte hernehmt, um dies thörichte Treiben herauszuputzen. Sage mir nur zum Beiſpiel, warum Dein Vater jetzt ſchon ſeit ſechs Tagen vom Morgen bis zum Abend auf den Beinen iſt und nach dem Abendeſſen wie ein verfolgter Dieb aus dem Hauſe läuft, um ganze Nächte wegzubleiben. Seine Augen ſtehen ihm ganz verwildert im Kopfe, und er ſchläft vor Müdigkeit ein, wo er ſich hinſezt. Glaubſt Du nun, daß er ſich blos aus Vaterlandsliebe ſo ab⸗ matte und ſeine Geſundheit zerſtöre?“
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