22 Jakob von Artevelde.
wegten ſich mit Ungeſtüm und ſchienen einen wichtigen Plan zu faſſen, bis daß Lieven Comyne plötzlich die Worte:„Freiheit und Nahrung!“ mit mächtiger Stimme wie einen Aufruf über den Markt ſandte und jauchzend nach der Lange Munte lief. Dies war wie ein Zeichen, das Jeder verſtand. Andere begaben ſich über die Ser⸗ bodinsbrücke entweder nach dem Steendamm oder nach Overſchelde. Viele begaben ſich zu den ſitzenden Frauen und Kindern und riefen ihnen von ferne mit freudi⸗ gem Tone zu:„Freiheit und Nahrung! Freiheit und Nahrung!“.
Plötzlich erblickte man, wie wenn die Poſaune des Erzengels dieſe Todten aus ewigem Schlafe erweckt hätte, die zuſammengekauerten Frauen und Kinder ihre Glieder ausſtrecken, aufſtehen und ſich unter die wimmelnden Haufen der Handwerker miſchen.
Bald nachher fand ein ungewöhnliches Wogen von Menſchenköpfen auf dem Freitagsmarkte ſtatt; man ging von einem Haufen zum andern, erzählte ſich überall, was der weiſe Mann geſagt habe, und rief:„Freiheit und Nahrung!“ Andere liefen in die angrenzenden Stra⸗ ßen, um die Neuigkeit nach allen Vierteln der Stadt zu tragen, und binnen Kurzem ſtrömte das Volk, gleich ei⸗ ner eindringenden Fluth, aus allen Gaſſen nach dem Freitagsmarkte. Sie hatten keinen Hunger mehr, dieſe Vläminger; ſie fühlten ſich durch die Worte: Freiheit und Nahrungl geſättigt. Ein Stern der Hoffnung war vor ihren Augen aufgegangen, Muth und Kraft erfüll⸗ ten ihre Herzen, und aus denſelben Augen, welche Stun⸗
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