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Jakob von Artevelde.
der Mitte des Marktes ward der Ribaud von dem weiſen Manne aufgehalten mit den Worten:„Ribaud, zerrt die arme Frau nicht ſo! Was hat ſie denn Bö⸗ ſes gethan?“
„Ja, ich kann nicht dafür, Meiſter,“ ſagte der Ri⸗ baud ehrfurchtsvoll.„Es iſt eine Frau aus Veſtrem, die in Gent bettelte. Ich muß ſie, ich mag wollen oder nicht, aus der Stadt ſchaffen, und Ihr ſeht, Meiſter, daß ſie nicht gehen will.“
Eine mitleidige Stimme hatte das Ohr der Mutter berührt. Jetzt hob ſie das Haupt empor und zeigte ein abgemagertes Antlitz, das trotz der fahlen Farbe des Hungers noch Spuren früherer Schönheit offenbarte.
„Ach! Meiſter,“ rief ſie dem weiſen Manne zu,„ich bin eine arme Strumpfſtrickersfrau aus Veſtrem. Mein Mann und mein kleines Resken ſind geſtern Nacht vor Hunger geſtorben; ihre Leichen liegen noch unbegraben in unſerer Wohnung. Ich floh, um mein liebes Agnee⸗ teken vor dem Hungertode zu retten. Seht, da iſt es; aber es muß auch ſterben; denn man jagt uns fort. Gott, Gott! ach! läge ich doch ſchon erfroren, dann fühlte ich die Schmerzen in meinen Eingeweiden nicht. Aber mein Agneeteken, mein Kind....“
Sie unterbrach ihre Klage, um die Füßchen des ſchon gefühlloſen Kindes noch tiefer in den Buſen zu ſtecken. Plötzlich aber, als ob Etwas ſie überraſcht habe, hielt ſie inne und zeigte dem weiſen Manne das arme Ge⸗ ſchöpf, während heiße Thränen ihr aus den Augen ſtrömten.
Jakob von Artevelde. 2


