Jakob von Artevelde.
An jenem Tage zeigte der Freitagsmarkt auch in ſei⸗ ner ganzen Gräßlichkeit das Elend des Volkes. Auf demſelben Platze, wo die Bürger von Gent ſo manches Mal in jauchzendem Gewühl ihren Wohlſtand und ihre Freiheit gefreiert hatten, lagen ſie jetzt erſchöpft, gelähmt und abgezehrt, den bewußtloſen Blick auf den Boden gerichtet.
Am Fuße von St. Jakobs Kirchhofsmauer ſaßen viele Frauen und Kinder zuſammengekauert, um ſich vor dem ſchneidenden Winde zu ſchützen; ſprachlos lagen ſie da wie ein Haufen verſteinerter Leichen, vor den Mauern, hinter denen ihr Grab vielleicht ſchon gähnte; keine Klage, keine Bewegung als allein der laute Kuß, den eine Mut⸗ ter auf die Lippen ihres erſtarrenden Kindes drückte, oder die Stimme eines Knaben, der mit dem Geſichte im Schooß verſteckt die Worte Brod, Brod! ausſprach, als ob der Boden ihn hätte erhören konnen. Bei dem Got⸗ teshauſe zu St.⸗Jan⸗in⸗de⸗Olie(St. Johannes im Oel⸗ berge) trauerten ſolche Haufen leidender Frauen und
längs allen Häuſern, die ſich von St. Jakobs nach der
Leije hinzogen, konnte man die verhungerten Bürger ſitzen ſehen, ebenſo niedergedrückt wie die Frauen und das Antlitz ganz in ihr Regentuch verſteckt.
Warum kamen ſie denn auf einen Markt, um dort mit der bitteren Kälte zu kämpfen, während ihre Woh⸗ nungen ihnen zum Mindeſten Schutz, wenn auch nicht vor dem wüthenden Hunger, doch vor dem ſchneidenden Nordwinde darboten? Der Freitagsmarkt? Dort lebte das Volk von Gent ganz und gar, dorthin hatte es ſtets
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