Jakob von Artevelde.
und ihre Neigung auf Frankreich gewandt, wähnend, daß von dort eine Macht ausgehen werde, die dem Hochmuth des Volkes Gränzen ſetzte. In Flandern nannte man dieſe Edelleute, ſowie überhaupt Alles, was franzöſiſch geſinnt war, ſpottweiſe die Leliaerds(die Anhänger der Lilien, des franzöſiſchen Wappens).
Urſprünglich war es jedem Bürger verboten, in ei⸗ nem Stein zu wohnen; Ritter allein durften in einem befeſtigten Hauſe ihren Aufenthalt nehmen; aber im vierzehnten Jahrhundert war der Reichthum der Gen⸗ ter Bürger ſchon ſo hoch geſtiegen, daß einige ſich auch Steine gebaut oder von herabgekommenen adeligen Fa⸗ milien gekauft hatten.
Der Freitagsmarkt war nicht immer der Schauplatz der Freude und des feſtlichen Gewühls; es giebt auch in Flanderns Geſchichte trübe Blätter, die von des Volkes Elend und Erniedrigung erzählen.
Der 25. December im Jahre unſers Herrn 1337 war ein kalter widerlicher Tag; ſeit vierzehn Monaten wüthete eine gräßliche Hungersnoth im reichen Flandern. Dieſe Plage, hundert Mal ſchlimmer als Peſt und Krieg, hatte die Lebensſäfte des Volkes aufgetrocknet und ſelbſt die früher niemals entmuthigten Genter ſo ihrer geiſti⸗ gen wie ihrer koͤrperlichen Kraft beraubt, daß ihnen keine Stärke mehr zu bleiben ſchien, um ſich ein beſſeres Loos zu wünſchen. Der Tod nahte ſich ihnen wie ein Schlaf der Ermattung; er raffte täglich wie ein ſchleichendes Ge⸗
ſpenſt betrac ſtump ſelbſt!
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