34
Geldes, der Vergötterung der Materie werden kann. Das Geld herrſcht über einzelne Menſchen, nicht über die Menſchheit; es iſt eine Kraft des Augen⸗ blicks, ſein Einfluß erſtreckt ſich nicht weiter als über den Tag von heute.
Der Geiſt iſt die Menſchheit ſelbſt; was er ſchafft, iſt unſterblich, er lebt fort durch alle Jahrhunderte, er entwickelt ſich, er wird immer größer. Viele Völ⸗ ker ſind von der Erde verſchwunden, die Zeit hat ihre materiellen Denkmäler umgeſtürzt und unter Trümmern begraben; aber in unſerer Sprache, in unſeren Geſetzen, in unſeren Künſten, in unſeren Wiſſenſchaften bleibt ihr Geiſt fortleben— weil von all der Arbeit des Menſchen nichts unſterblich iſt, als die Werke des Geiſtes allein...“
Herr Kemenaer ſchien durch dieſes zitternde Wort und durch den funkelnden Blick von Berthold tief getroffen. Das Lächeln war allmälig von ſeinem Angeſicht verſchwunden und er ſchaute den Jüngling mit etwas ärgerlicher Verwunderung an. Nun ſeine begeiſterte Stimme aufgehört hatte, durch das Zim⸗ mer zu ertönen, nahm Kemenaer augenblicklich ſeine Kälte wieder an und antwortete ohne einige Verle⸗ genheit in der Stimme:
„Ihre Worte ſind hochtrabend, Berthold; dieſe.
Gedanken haben Sie aus Büchern geſchöpft, geſchrie⸗ ben von Männern, die ſich ſelbſt beweihrauchten. Welchen Beweis können Sie aus einer Welt bei⸗ bringen, die vorüber iſt, oder aus einer, die nicht mehr kommen wird? Sehen Sie ringsum in dem wirklichen Leben. Was iſt ein Künſtler oder Gelehr⸗ ter ohne Geld? Ein armer Teufel, der vor Mangel
Milli


