Druckschrift 
Der Geldteufel : Gemälde aus unserer Zeit / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

dem Buch ein Stück getroffen, das ihm beſonders behagte, denn ſeine Lippen bewegten ſich und er fuhr mit der Hand leiſe aber kräftig hin und her, als wäre er damit beſchäftigt, für ſich die Verſe zu de⸗ clamiren.

Berthold war ein ſchöner Jüngling, mit ſtark ausgeprägten Zügen. Seine Wangen waren nicht berost; doch war die Farbe ſeines Angeſichts rein. Unter ſeiner hohen Stirne glänzten zwei ſchwarze Augäpfel, mild und feurig zugleich: ſein Mund, noch

von einem jungen Bartanflug überſchattet, zog ſich

zuweilen zu einem ſchärfern Ausdruck zuſammen und ſeine ſchweren Augenbrauen falteten ſich wohl zu einem tieferen Gedanken, während er wechſelsweiſe Laura und deren Vater anſchaute.— In ſeiner Kleidung, in ſeinem Benehmen, ſelbſt in ſeinem ſtillen Lächeln lag ein Ton von ungezwungener Freundlich⸗ keit, und zurückgehaltenem Stolze, der auf den erſten Blick erkennen ließ, daß der Jüngling außer der angebornen Herzensgüte auch den feinen Anſtand der höhern Welt beſaß.

„O Vater, Vater, höre, wie ſchön doch dieſes Gedicht!“ rief Laura, mit dem Buch in der Hand ſich erhebend,„welche große Gedanken!“

Und ſie begann mit Begeiſterung in der Stimme Folgendes zu leſen:

Natur verlieh dem jugendlichen Aar Der Schwinge Kraft, die Wolke zu durchdringen,

Sie gab dem aufgeblühten jungen Jahr

Die Nachtigall, das Morgenlied zu ſingen,

lichem Glanze zu leuchten; er hatte wahrſcheinlich in