Wonne und Hoffnung, Alles jauchzt und ruft:„ge⸗ grüßt ſeiſt Du, lieber Lenz, Jugendalter der Natur, ſüßes Lächeln der Gottheit!“
Der Menſch allein bleibt gefühllos für das Schöne, womit ſeine irdiſche Wohnung geziert iſt. Derweilen Thiere und Pflanzen— beſeelte und un⸗
beſeelte Geſchöpfe unter dem Einfluß der glänzenden
Morgenſonne ſich vergnügen, liegt er bewußtlos in ſchwerem Schlaf begraben und wird nicht eher aus dem nächtlichen Scheintod ſich aufraffen, als bis das prächtige Naturgeheimniß vollbracht iſt.
Es iſt für unſer Geſchlecht ein trauriges Bekennt⸗ niß, daß es Leute gibt, die lang gelebt haben und gleichwohl ſterben, ohne ein einziges Mal das Mor⸗ genroth eines ſchönen Tages angeſchaut und bewun⸗ dert zu haben.
Unzweifelhaft erwachen Viele täglich bei dem erſten Morgenſchimmer, aber es iſt die Nothwendig⸗ keit oder Sucht nach materiellem Gewinn, die ſie vom Bette auftreibt. Sie laufen unachtſam vor⸗ wärts, das Haupt unter Sorge und Verdruß ge⸗ beugt;— und ob der Himmel mit allen Farben des Regenbogens ſich ſchmückt und ob die Sonne ihren Glanz bezaubernd über die Natur ausſtrömen läßt, in dem Herzen derer, auf welchen der Kummer laſtet, iſt es allzeit düſter und vor ihrem ängſtlichen Blicke liegt unverrückt eine graue Nebelwolke.
So war es gleichfalls mit Mynheer Kemenger, der bereits ſeit mehr als einer Stunde in ſeinem geräumigen Garten unter einer hohen Akazie auf einer Bank ſaß, die Arme in tiefen Gedanken über der Bruſt gekreuzt. Mit dem Vorſatz, die Schön⸗
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