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Der Geizhals / von Hendrik Conscience. Aus d. Fläm. von O. L. B. Wolff
Entstehung
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Ueber das Geſicht des Alten beugte ſich ein Mäd⸗ rhen, das mit wachſender Ungeduld jeden Athemzug be⸗ lauſchte und vor Schmerz oder Hoffnung zitterte und weinte, ſo oft der Kranke ruhiger oder ſein Athem deut⸗ licher wurde.

Es war Cäeilie, die ſeit einer Stunde einen Strom von Thränen vergoſſen und erſchöpft von Schmerz mit ihrem Athem und ihren Küſſen den alten Oheim in's Leben zurückzurufen verſuchte.

Wanna ſtand bei dem Kopfende des Bettes, um Cäcilien bei der Pflege des Verſcheidenden beizuſtehen.

In einer Ecke ſaßen Bart und ſeine Mutter auf den Knieen und ſandten mit gefalteten Händen ein in⸗ niges Gebet zum Himmel.

Der Paſtor war bereits bei dem Kranken geweſen und hatte ihm die letzte Oelung gegeben; der Doktor war gleichfalls gerufen worden und hatte erklärt, die Erſchöpfung des Greiſes ſei eine Folge des Hungers. Er hatte deßhalb befohlen, daß man ihm mit einem Löffel etwas Fleiſchbrühe nebſt einiger Medicin, die er verſchrieben, eingebe. Eine Taſſe und die Fleiſchbrühe,

die bei dem Bette ſtanden, enthielten die beiden Heilmittel.

Cäcilie hatte ihrem Oheim bereits viele Löffel der Fleiſchbrühe vorſichtig eingegeben; ſie glaubte zu be⸗

merken, daß es wohlthätig auf ihn wirkte und nach und

nach leichter durch die Kehle floß; der Kranke ſchien es ſogar mit einer gewiſſen Begierde einzuſchlürfen.

Als ſie nun wieder einen Löffel an ſeinen Mund gebracht und ihn nach dem Eingießen der Fleiſchbrühe zurückziehen wollte, ſchien es ihr, als ob die Lippen ſich bewegten. Dieſe Entdeckung machte ſie zittern. Sie gab ihm einen zweiten Löffel: er og ihn mitt ſichtbarer Be⸗ wegung des Halſes ein.

Zitternd vor freudiger Hoffnung gab das Mädchen

ihm noch mehr Fleiſchbrühe, während ſie ihm mit ängſt⸗

lichem Blicke in's Antlitz ſtarrte.