IV.
Als am folgenden Nachmittag die Sonne noch hell am Himmel ſtand, aber bereits ſich tief dem Weſten zu⸗ neigte, war die Glut ihrer Strahlen doch ſchon ſehr ſchwach.
Der Schnee, ſeines funkelnden Feuers beraubt, ſah todt und farblos aus: ſchon hatten ſich die treuſten Winter⸗ vögel vor der Abendluft geflüchtet: eine traurige Stille lag auf der ſchlafenden Natur.
Auf dem Kapellenhofe hörte man gleichfalls nichts: weder die Stimmen der Menſchen, noch das Geräuſch der Arbeit. Hätte nicht die Kuh im Stall von Zeit zu Zeit gebrüllt, man hätte glauben können, kein lebendes Weſen befinde ſich dort.
Wanna ſaß neben dem Kuhkeſſel an einem Spinn⸗
rad. Ein ernſthafter Gedanke ſchien ſie zu feſſeln; denn der Faden in ihrer Hand brach oftmals ab, oder ſetzte ſie in der Zerſtreutheit den Fuß neben den Tritt und ſpann fort, obgleich das Rad ſich nicht mehr bewegte.
Ihr Auge war auf das Uhrwert gerichtet: ſie ſchien jeden Tick des Pendels zu zählen, und betrachtete nicht ſelten den trägen Zeiger mit einem Ausdruck gramvoller Ungeduld, als ob das Uhrwerk etwas dazu thun könnte, daß er ſchneller ginge.
Plötzlich erhob ſie ſich überraſcht aus ihrer Zer⸗ ſtreutheit: der Kuhkeſſel war übergekocht und hatte einen großen Theil des Waſſers in das Feuer verſchüttet.
„Nun, Wanna, gib doch Achtung!“ rief Mutter Ann, die bei dem Geräuſch aus dem Stall gelaufen kam. „Dir wird das kochende Waſſer noch über den Leib laufen, ohne daß Du’s merkſt. Mädchen, Mädchen, ſeit der letzten Kirmeß biſt Du ſo träumeriſch geworden, daß ich Dich nicht begreifen kann.“
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