„Fleiſch, an einem Wochentage, Lenora?“ fragte er vorwurfsvoll.„Wir müſſen ſparſam ſein, mein Kind.
„Ach, Vater, antwortete Lenora lächelnd,„ſei nicht böſe: der Arzt hat es befohlen.
„Du täuſcheſt mich dießmahl, nicht wahr?“
„Nein, der Doctor hat geſagt, daß Du mindeſtens dreimal in der Woche Fleiſch genießen müſſeſt, wenn es uns unſere Umſtände erlauben. Es wird Dir wohlthun, Vater, und deine Kraͤfte wieder herſtellen.“
„Aber unſere Schulden, Lenora!“*
„Ich ſtehe für Alles. Sei jetzt ſo gut, Deine Pa⸗ piere fortzulegen, damit ich den Tiſch decken kann.“
Der Vater ſchüttelte den Kopf und that, was Le⸗ nora verlangt. Dieſe brachte ein kleines ſchneeweißes Laken ſo wie zwei Teller und die Schüſſel mit den Kar⸗ toffeln auf den Tiſch. Aermlich nur war dieſes Mahl, doch Alles ſo ſauber und appetitlich, daß dieſes Tiſchchen auch eine leckere Zunge gelockt haben könnte.
Vater und Tochter ſetzten ſich an den Tiſch und be⸗ gannen ein ſtilles Gebet. Währendadesſelben hörten ſie plötzlich ein Geräuſch von Stimmen unten an der Treppe.
Lenora wurde von einer heftigen Gemüthsbewegung ergriffen, die ſie ganz aus ihrem Gebet brachte; ſie lauſchte mit ſtarrem Blick auf etwas, was ihr unerklaͤrlich ſchien, und ſie mit Angſt und Beſtürzung erfüllte.
Der Vater, der dieſe Aufregung nicht zu begreifen vermochte, blickte ſie an, als wollte er fragen: was iſt Dir denn? doch Lenora machte ihm mit der Hand ein Zei⸗ chen zu ſchweigen.
Abermals drang die Stimme, und zwar viel deutlicher⸗ in das Stübchen herauf. Lenora erkannte den Ton dieſer Stimme und, als ſei ſie vom Blitz getroffen, flog ſie zur
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