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Der arme Edelmann / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von Dr. Hans Wachenhusen
Entstehung
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rufen laſſen und während deiner Abweſenheit bin ich zu ihr gegangen. Das wundert Dich, Vater, nicht wahr!

In der That, Lenora? Du ſprichſt von der Frau von Royan, für welche man Dir den ſchönen Kragen zu ſticken gab? Woher kennt ſie Dich?*

»Ich weiß es nicht. Wahrſcheinlich hat die Frau, wel⸗ che die mühſame Arbeit bei mir beſtellte, ihr geſagt, wer ſie verfertigte. Sie muß ihr auch von deiner Krankheit und unſerer Armuth geſprochen haben, denn die Dame weiß mehr über uns, als ich vermuthen durfte.

»Himmel, ſie weiß doch nicht...*

Nein, ſie weiß nichts, was unſern Namen und un⸗ ſer Vaterland betrifft.*

Fahre fort, Lenora; Du machſt mich neu⸗ gierig.

»Nun, ſo höre denn, Vater. Frau von Royan hat mich ſehr freundlich aufgenommen, mir Lobeserhebungen gemacht wegen der ſchönen Stickerei, mich nach unſern Umſtänden gefragt und mir Troſt eingeſprochen. Und weißt Du, was ſie mir ſagte, als mir ihr Mädchen das Lei⸗ nen gab? Gehen Sie, mein Kind, ſagte ſie, arbeiten Sie mit Fleiß und ſeien Sie getroſt und tugendhaft wie Sie es wa⸗ ren, und ich werde Ihre Beſchützerin ſein. Ich brauche ziemlich viel Näharbeit und zwei Monate können Sie für mich allein beſchäftigt ſein, und dann will ich Sie überdies noch bei meinen Bekannten empfehlen, überhaupt dafür ſorgen, daß Sie Mittel finden, ſich und Ihren kranken Vater vor Noth zu ſchützen. Als ich ihr nun aus Dank⸗ barkeit mit Thränen in den Augen die Hand geküßt hatte, fuhr ſie fort: Haben Sie Muth, mein Kind, es wird eine Zeit kommen, wo Sie noch Lehrmädchen zur Hilfe nehmen müſſen und Sie nach und nach eine ſelbſtſtändige Stellung ein⸗