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Der arme Edelmann / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von Dr. Hans Wachenhusen
Entstehung
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immer ein theueres Bild vor deinen Augen, vielleicht alſo ſchöpfeſt Du an dem Born der Erinnerung die Kräfte, um ſiegreich deinem Schickſal zu widerſtehen!

Doch ſieh, ein Traum ſteigt in dem Mädchen auf. Sie läßt die Hand und die Arbeit ruhen. Das Haupt über die letztere geneigt, ſcheint ſie ſtarr auf den Boden zu bli⸗ cken; ihre Seele iſt weit von ihr.

Sie legt das Leinen auf den Stuhl und richtet ſich langſam auf, ſie betrachtet ihre Blumen, pflückt ein Maß⸗ liebchen und zerblättert es in Gedanken verſunken; dann läßt ſie ihr Auge hinausſchweifen in's Weite und auf einem wilden Kaſtanienbaum ruhen, der zwiſchen den Dächern der Häuſer ſeine Krone erhebt.

Der Anblick dieſes ihr ſo bekannten Laubes wirkt mächtig auf ihr Gemüth, ein unerklärliches Lächeln über⸗ fliegt ihr Antlitz, ihre Augen feuchten ſich, in heftiger Auf⸗ wallung ſcheint ſie die friſche Frühlingsluft, das Licht der Sonne mit vollen Zügen einzuathmen. Der Ausdruck ihres Geſichtes wechſelt zuweilen, es iſt, als wandle ſie im Geiſte zwiſchen zwei geliebten Weſen hin und her, als ſpreche ſie mit ihnen von Glück und Liebe. Ihre Lippen bewegen ſich, als ſpreche ſie vielleicht flüſtert ſie den Namen eines fernen Freundes!

Da ſteht ſie jetzt, mitleidig den armen Goldfink be⸗ trachtend, der ungeduldig in ſeinem Häuschen hin und her⸗ hupft und mit dem Schnabel vergebens die Drähte des Kä⸗ figs zu entfernen ſucht.

Warum wollteſt Du uns jetzt verlaſſen, armes Thie ſagte ſie, nachdem ſie dem Vogel eine Zeit lang träume⸗ riſch zugeſehen, mit ſanfter Stimme.Du, unſer einziger Gefährte in unſerer Verlaſſenheit! Sei doch fröhlich, Va⸗ ter iſt ja geneſen! Jetzt wollen wir getroſt und glücklich

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