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Der arme Edelmann / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von Dr. Hans Wachenhusen
Entstehung
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und blühen in der ſchönen Luft; daneben hängt ein Käfig, in welchem ein Goldfink ſitzt.

Wie ſtill iſt's hier in dieſem Stübchen! Kein Seufzer unterbricht die Einſamkeit und Ruhe.

An dem offenen Fenſter ſitzt ein Mädchen; ſie iſt ſo emſig mit dem Naͤhen neuer Leinwand beſchäftigt, daß man keine andere Bewegung als die der rechten Hand mit der Nadel bemerkt.

Die Kleidung der jungen Näͤhterin iſt äußerſt ge⸗ wöhnlich, aber doch ſehr geſchmackvoll. Alles iſt ſo rein und ſchön an ihr, daß ein Hauch von Friſche und Lebens⸗ freude ſie zu umwehen ſcheint.

Arme Lenora, dies alſo iſt das Loos, das Dir be⸗ ſtimmt wan! Deine edle Abkunft unter den Dachpfannen einer Arbeiterwohnung zu verbergen, fern von deinem Heimathsort einen Zufluchtsort zu ſuchen gegen Spott und Mißachtung, zu arbeiten ohne Unterlaß und gegen Noth und Mangel zu kämpfen, unter Kummer und Trauer Dich zu beugen und dein Herz aus tauſend Wunden blu⸗ ten zu laſſen. Hat Dir der Gram deine Seele geal⸗ tert, Dir den Glanz deiner Augen geraubt?

Doch Gott ſei Dank, ſo ſchlimm iſt es nicht! Schö⸗ ner noch als früher iſt dein engelgleiches Weſen, das Le⸗ ben in dem engen Zimmer hat den bräunlichen Anflug von deinen Wangen genommen, und deſto reizender iſt der zarte Ton deines Geſichtes, deſto klarer deine edle Stirn, deſto roſiger ſind deine Wangen. Noch glänzt das ſchwarze ſchöne Auge voll von Leben unter deinen langen Wimpern, noch iſt dein feiner Mund umſpielt von dem reizendſten Lächeln!

Vielleicht ruht noch in deinem Herzen der reiche Schatz von Muth und Hoffnung, vielleicht ſchwebt noch

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