11² ſehr erſchürtert durch Ihre Mittheilungen. Leben Sie alſo wohl, und ſuchen Sie eiligſt Ihr Verſprechen zu erfüllen; meine Dankbarkeit für Sie wird größer ſein, als Sie ver⸗ muthen.— Leben Sie wohl bis morgen. Guſtav verließ das Haus des Notars, um in der Einſamkeit über den unerwarteten Schlag zu trauern, der ihn getroffen.
X.
Der ſchöne Lenz hatte bereits lange der Erde ihr Win⸗
terkleid genommen und die ganze Schöpfung zu neuem Le⸗ ben wach gerufen. Auch Grinſelhof ſtrahlt wieder in der ganzen Pracht ſeiner milden und freien Natur. Die ſtattlichen Eichen entfalten ihr dichtes Laub, die Alproſe ſteht in voller Blüthe, die Fliederblume erfüllt die Luft mit ihren Düften, die Vögel ſingen vor Luſt und Liebe und die Maikäfer ſchwirren und ſummen in dem Buchenlaub, während die Sonne ihren milden Strom über die zarten grünen Blätter ergießt.
In Grinſelhof ſcheint nichts verändert; ebenſo einſam wie fruͤher ſind ſeine Pfade, ebenſo todt die Stille, welche in dem dichten Buſchwerk herrſcht— nur um das Haus ſelbſt iſt mehr Leben und Bewegung. Da ſieht man zwei Knechte eine ſtattliche Equipage mit Waſſer begießen und von Staub und Schmutz ſäubern; man hört das Wie⸗ hern und Getrappel von Pferden im Stalle. Eine junge Dienſtmagd ſteht auf der Schwelle und lacht und plaudert mit den Knechten.
Plötzlich erſchallt aus dem Hauſe der helle Klang einer ſilbernen Tafelglocke.
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