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Der arme Edelmann / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von Dr. Hans Wachenhusen
Entstehung
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Der Vater ließ das Antlitz auf die Bruſt ſinken und ſchwieg; auch Lenora ſaß ſchweigend da und bedeckte das Geſicht mit den Händen. Eine Todesſtille herrſchte im Zimmer.

Dann aber zog das Mädchen den Stuhl näher an den des Vaters und erfaßte ſeine Hand. Herr von Vlierbeke ſuchte mit ſeiner Erzählung zu Ende zu kommen.

„Höre weiter, Lenora; was ich Dir noch zu ſagen habe, iſt nicht ſo trübe, denn es betrifft mich allein. Viel⸗ leicht thäte ich wohl, es Dir zu verſchweigen, doch habe ich eine Freundin nöthig, die da weiß, was ich gelitten, die alle meine Geheimniſſe kennt, in deren Herz ich Alles aus⸗ ſchütten kann, was ich ſeit zehn Jahren in mich ver⸗ ſchloſſen.*

»Deine Mutter, meine einzige Stütze, war mir ge⸗ nommen; ich blieb allein auf Grinſelhof mit Dir, mein Kind, und mit meinem Verſprechen, das ich vor Gott der Sterbenden gethan!— Wie ſollte ich es anfangen, dieſem Verſprechen nachzukommen? Meine erblichen Güter abge⸗ ben und in einem fremden Lande umherirren, um Unterhalt für uns Beide zu verdienen?— Daran konnte ich nicht denken. Nach langer ſchmerzvoller Ueberlegung war es mir, als dringe ein Lichtſtrahl in meine Nacht, und hoffnungsvoll klammerte ich mich an den einzigen Plan, der, wenn auch nicht mir, doch meinem Kinde eine nicht ſo unglückliche Zukunft bereiten konnte.“

»Ich beſchloß, unſere Armuth eifriger als je verborgen zu halten und mein Leben an Deine Ausbildung zu verwenden. Gott hat Dich reichlich mit aͤußerer Schönheit begabt, Le⸗ nora, und Dein Vater übernahm es, Dich auch mit der